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20. Oktober 2011

Die Musik eignet sich nicht fürs Bierzelt

Der Künstler Johannes Joliet bekommt für seine Arbeit mit dem Reutlinger Experimentalorchester Halle 016 der BruderhausDiakonie den InTakt-Förderpreis der Dortmunder Miriam-Stiftung verliehen

Reutlingen (bd) ─ Johannes Joliet hat den Förderpreis InTakt der Miriam-Stiftung zugesprochen bekommen für seine Arbeit mit dem Reutlinger Experimentalorchester Halle 016 der BruderhausDiakonie, das der Künstler seit dessen Gründung im Jahr 1999 leitet. Am 22. Oktober wird die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung im Dortmunder Rathaus feierlich übergeben.

Mit dem InTakt-Förderpreis würdigt die Miriam-Stiftung Personen und Musikgruppen, die einen besonderen Beitrag zur kulturellen Teilhabe von Menschen mit Behinderung leisten, entweder mit neuen Konzepten oder durch, wie die Stiftung schreibt, „kreative Anwendung und Produktion von Musik“. An Johannes Joliets Arbeit beeindruckte die Jury vor allem dessen Konzept freier Musik. Dadurch würden den Musikern und dem Publikum neue Klangwelten erschlossen.

„Improvisation wird bei uns sehr groß geschrieben“, sagt Johannes Joliet, der schon früh eine Vorliebe für improvisierte Musik, neue Musik und Free-Jazz entwickelt und bereits als Student selbst freie Musik gemacht hat. Er betont: „Das Orchester verfolgt bewusst einen weniger musikpädagogischen als vielmehr rein künstlerischen Ansatz.“

Bei den Auftritten des Orchesters – seit Bestehen der Gruppe waren das immerhin um die 70 – gehe es darum, aus dem Moment heraus etwas Neues zu schaffen. Die 16 Menschen mit Behinderung, die im Experimentalorchester auf teilweise ungewöhnlichen Instrumenten spielen, treten vor allem in Gottesdiensten auf und bei Ausstellungseröffnungen. „Unsere Musik eignet sich schlecht fürs Bierzelt“, sagt Joliet schmunzelnd und fügt hinzu: „Ich möchte erreichen, dass das Publikum sich innerlich engagieren muss.“

Der in der Schweiz aufgewachsene Joliet hat nach einer Lehrerausbildung mit musikpädagogischen und künstlerischen Schwerpunkten Bildhauerei studiert, dann als Waldorflehrer gearbeitet und seit 1984 als freier Künstler. Er war zudem Mitbegründer und Dozent des Metzinger Kunstseminars, künstlerischer Mitarbeiter beim Kirchentag in Stuttgart und hat seit 1999 das Experimentalorchester Halle 016 aufgebaut sowie das Atelier Halle 016, in dem Künstler mit Behinderung bildnerisch arbeiten.

Der Förderpreis InTakt der Miriam-Stiftung wird von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund fachlich betreut. In der Jury sitzen die Professorinnen Irmgard Merkt vom Lehrstuhl Musikerziehung und Musiktherapie der Universität Dortmund und Elisabeth Braun von der Pädagogischen Hochschule Reutlingen sowie der Professor Jürgen Terhag von der Musikhochschule Köln. Die Miriam-Stiftung wurde 2003 im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen begründet zur Erinnerung an eine behinderte junge Frau dieses Namens, die 1999 mit 21 Jahren starb.

 

Foto: Johannes Joliet hat ein Faible für freie Musik


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