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150 Jahre Villa Seckendorff

„Gustav Werner hatte großen Fanclub in Stuttgart“

Gustav Werner spielte nicht nur eine entscheidende Rolle für Württembergs Weg in die Moderne, er pflegte auch gute Kontakte zum Stadtbezirk Bad Cannstatt.

Lothar Bauer erzählt über Gustav Werner.

Gut besuchter Vortrag

Wie Pfarrer Lothar Bauer, Vorstandvorsitzender der BruderhausDiakonie, vor rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörern anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Villa Seckendorff berichtete, war Gustav Werner im ehemaligen Oberamt Cannstatt ein gern gesehener Gast und Prediger. „Gustav Werner hatte einen großen Fanclub in Stuttgart.“ Zwei seiner größten „Fans“ im Cannstatt des 19. Jahrhunderts waren Bertha Maybach, Ehefrau des erfolgreichen Automobilkonstrukteurs Wilhelm Maybach, und deren Tochter Emma. Sie veranstalteten regelmäßig das „Werner-Kränzle“ für die Damen der Hautevolee und sammelten bei dieser Gelegenheit Spenden für das Bruderhaus in Reutlingen. Manchmal strickten die Damen auch für das Bruderhaus, ihre Produkte wurden dann entweder verkauft oder in Gustav Werners Rettungsanstalten verteilt.

Daimler und Maybach trafen sich im Bruderhaus

Dass die Familie Maybach zeitlebens dem Bruderhaus eng verbunden war, hatte seinen Grund. Wilhelm Maybach war 1856 als zehnjähriger Waise zu Gustav Werner gekommen. Dieser prägte nicht nur seine Lebenshaltung, er erkannte auch sein außergewöhnliches Zeichentalent und ermöglichte Maybach eine Ausbildung zum technischen Zeichner. In der Maschinenfabrik lernte Maybach 1863 den zehn Jahre älteren Gottlieb Daimler kennen, der als Sanierer der „Vereinigten Werkstätten“ ins Bruderhaus kam – es war der Beginn einer lebenslangen Arbeitsgemeinschaft. Beide entwickelten später in Cannstatt den ersten Verbrennungsmotor. Daimler wohnte damals am Rande des Kurparks, unweit der Villa Seckendorff, und stellte sein Gartenhaus als Konstruktionsbüro zur Verfügung. Teilweise tüftelten beide auch in Maybachs Wohnzimmer in der Stuttgarter Pragstraße an ihren Erfindungen. „Maybach war der Genius, Daimler der Unternehmer“, betonte Pfarrer Bauer in seinem Vortrag.

Maybach-Haus stand in der Freiligrathstraße

Später ließ sich Maybach gegenüber der Villa Seckendorff in der Freiligrathstraße ein Haus für seine Familie, zu der neben Tochter Emma die Söhne Karl und Adolf gehörten, bauen. 1901 konstruierte Wilhelm Maybach für den reichen, rennsportbegeisterten Kaufmann Emil Jellinek den ersten Mercedes-Wagen mit 35 PS. „Maybach hat den Stern über dem Schwabenland aufgehen lassen“, so Bauer, „und dem Automobilbau wesentliche Impulse gegeben.“ Mit seinem ebenfalls erfolgreichen Sohn Karl gründete er ein paar Jahre später die „Maybach-Motorenbau GmbH“ in Friedrichshafen.

Werner wollte Kapital und Arbeit versöhnen

Wilhelm Maybach hat davon profitiert, dass Gustav Werner neben seinen Rettungsanstalten auch zahlreiche christliche Fabriken gründete. „Werner wollte zum einen Kapital und Arbeit durch den Geist des Christentums versöhnen. Zum anderen wollte er Ausbildungs- und Arbeitsstätten für Waisen und Menschen mit Behinderung schaffen“, erklärte Bauer. Gustav Werner, 1809 geboren und in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, war „eine ganz empfindsame Seele und gleichzeitig unglaublich tatkräftig“. „Kein Gebiet war Anfang des 19. Jahrhunderts so verarmt wie Württemberg“, berichtete Bauer: „Die Erinnerung an diese Not hat ihn geprägt und ein Leben lang begleitet.“

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