Zweimal hatte sie ihre Pensionierung bereits verschoben. Weil sich kein Nachfolger für die Stelle des Schulleiters fand, ein bundesweit bekanntes Phänomen, führte Astrid Schulz die Ludwig-Haap-Schule, Außenstelle Calw, zwei Jahre länger als vorgesehen. Zum Ende des Monats zieht sich die 67-Jährige nun endgültig ins Privatleben zurück, um sich ihren kreativen und sportlichen Hobbys zu widmen. Am 16. Juli ist die Frau, die das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum der BruderhausDiakonie wie keine andere geprägt und eine attraktive Schule daraus gemacht hat, in den Ruhestand verabschiedet worden. „Es war eine Herzensaufgabe“, sagt Astrid Schulz über ihre Arbeit, „für Kinder da zu sein, die gestrauchelt sind und Zuwendung brauchen – Kinder mit sozial-emotionalen Störungen, die den Rahmen von Kindergärten und Regelschulen sprengen.“

Konzeption der Schule richtet sich nach dem Bedarf der Kinder

20 Jahre hat sich Astrid Schulz dieser Herzensangelegenheit gewidmet. Sie kam 2001 mit der Gründung der  Ludwig-Haap-Außenstelle in Calw zur BruderhausDiakonie. Zunächst als Lehrerin für Deutsch, Mathematik und Kunst tätig, übernahm sie bald immer mehr leitende Aufgaben. „Wir haben mit 20 Kindern und einem kleinen Schulhaus begonnen. Heute betreuen wir 90 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Betreuungsbedarf von der ersten bis zur neunten Klasse.“ Seit 2013 in einer ehemaligen kaufmännischen Schule am Stadtrand, die die BruderhausDiakonie gekauft und umgebaut hat. „Mein Anliegen war immer, die Konzeption der Schule so auszurichten, dass wir dem Bedarf der Kinder gerecht werden“, so Astrid Schulz. Die „sehr enge Beziehung zu Schülern und Eltern“ zeige, dass dies gelungen sei. Wichtig war ihr zudem „ein gutes, wertschätzendes Miteinander im Kollegium“, das sie stets in die Schulentwicklung miteinbezogen habe, und eine gute Vernetzung mit den Behörden und Schulen der Umgebung.

Wertschätzender Umgang miteinander als wesentliches Element

Wenn er die Räume der Ludwig-Haap-Schule betrete, beeindrucke ihn jedes Mal zutiefst, welche Atmosphäre hier herrsche, betonte Schuldekan Thorsten Trautwein im Rahmen der Verabschiedung: „Respekt und Freundlichkeit im Umgang miteinander, Sorgfalt und Liebe in allen Details. Die schöne Gestaltung des Raums und der wertschätzende Umgang miteinander sind Grundpfeiler des pädagogischen Konzepts.“ Mit ihrem Kollegium, Mitarbeitern und Freunden der Schule habe Astrid Schulz „eine wertvolle Oase des Lernens“ geschaffen, fuhr Trautwein fort. Familien fänden hier ein offenes Ohr, Kinder und Jugendliche Geborgenheit, um fürs Leben lernen zu können. Der Schuldekan dankte Astrid Schulz „für ihr großartiges Engagement für ihre Schülerinnen und Schüler“ und wünschte ihr Gottes Segen auf ihrem weiteren Lebensweg.

Eine anerkannte Persönlichkeit in der hiesigen Schullandschaft

Auch Jochim Lutz, Leiter der Ludwig-Haap-Schule in Loßburg, war voll des Lobes für Astrid Schulz‘ Verdienste für die Außenstelle in Calw. „Sie war der Kopf des Ganzen und hat alles hier aufgebaut.“ Mit ihrer Kompetenz, Zuverlässigkeit und ihrem Pflichtbewusstsein sei die 67-Jährige „eine anerkannte Persönlichkeit in der hiesigen Schullandschaft“. Lutz bescheinigte seiner Kollegin „eine natürliche Autorität“, die sich positiv auf ihren Umgang mit den Kindern und die Zusammenarbeit mit Eltern und Behörden ausgewirkt habe. „Es ist für uns ein Verlust, dass sie jetzt geht“, sagte Jochim Lutz, der sich ab September verstärkt um die Außenstelle kümmern wird.