Ausgerechnet zu Beginn der Gymnastik im Park der Reutlinger Pomologie regnet es in Strömen. Abbrechen kommt für Kursleiterin Astrid Keller nicht in Frage. Die sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind hoch motiviert, sie mussten schließlich wochenlang auf ihre Übungsstunde verzichten. „Wir machen die Gymnastik mit Regenschirmen“, entscheidet die Sport- und Fitnesstrainerin spontan. Drei Minuten später bewegen sich bunt beschirmte Menschen mit Begeisterung zu Astrid Kellers Anleitungen. Rosemarie Henes steht, wenige Meter vom Kaffeehäusle entfernt, daneben und lächelt. „Alle sind froh, dass es weitergeht“, sagt die Bereichsleiterin Offene Hilfen Reutlingen (BAFF). Nach wochenlanger, Corona-bedingter Enthaltsamkeit ist BAFF, ein gemeinsames Angebot der Lebenshilfe Reutlingen und der BruderhausDiakonie, wieder da – mit einem kleinen Sommerprogramm, das Abstands- und Hygieneregeln berücksichtigt.  

Gymnastik im Park statt Aqua-Fit im Schwimmbad

„Die Nachfrage ist groß“, betont Rosemarie Henes. „Menschen mit Behinderung sind sehr abhängig von der Förderung und den Ressourcen anderer Menschen.“ Viele hätten ein „begrenztes soziales Umfeld“. BAFF biete ihnen einen geeigneten Rahmen für Begegnung und Kontakt. „Unsere Hauptaufgabe ist, Menschen mit Handicap und ihre Familien zu unterstützen und Barrieren abzubauen“, erklärt Henes. Wegen der Corona-Pandemie versorgte das BAFF-Team die Klienten lange Zeit mit der digitalen "BAFF-Show". Nach den Lockerungen wurden individuelle Lösungen für das Sommerprogramm entwickelt. Statt Aqua-Fit im Schwimmbad gibt es nun Gymnastik im Park, statt Bowling in der Halle Kegeln, Boule und Wikinger Schach im Grünen. Bei sämtlichen Aktivitäten, ob Billard, Minigolf oder Trommeln, werde streng auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet, so Henes: „Der organisatorische Aufwand ist enorm.“

Alle fiebern auf die Freizeiten in den Sommerferien hin

Selbst die Freizeiten in den Sommerferien finden wieder statt. Für junge Erwachsene geht es zum Beispiel in die Eifel, in den Schwarzwald oder nach Norddeutschland, für Kinder und Jugendliche unter anderem ins Allgäu und zur Segelfreizeit nach Holland – mit Autos und VW-Bussen. „Alle fiebern darauf hin“, sagt Rosemarie Henes. Um das Risiko einer Infektion mit dem Corona-Virus so gering wie möglich zu halten, hat das BAFF-Team ein spezielles Hygiene-Konzept erstellt, das alle Schutzmaßnahmen und Regeln detailliert beschreibt.

Inklusives Festival Kultur vom Rande soll 2021 stattfinden

Und wie geht es nach den Sommerferien weiter? „Wir planen das Herbstprogramm so wie immer“, meint Rosemarie Henes, „natürlich unter Berücksichtigung der bestehenden Auflagen.“ Ihre Pläne gehen aber noch weiter: Das inklusive Festival Kultur vom Rande, das 2020 ausfiel, soll im Mai 2021 nachgeholt werden. Die Vorbereitungen laufen im Herbst an – auch wenn niemand weiß, ob Covid-19 im nächsten Jahr den Veranstaltern wieder einen Strich durch die Rechnung macht.  

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