Mit dem E-Bike nach Münsingen-Buttenhausen

Beate Müller-Gemmeke war im ersten Moment sprachlos: Dass Klaus Rexin ihr sein neuestes Werk schenken würde, kam für sie völlig überraschend. Der Künstler aus Buttenhausen hatte die „Sonnenblume abstrakt“, eine freie Interpretation des Grünen-Logos, eigens für ihren Besuch am 26. Juli 2019 gemalt. „Das ist einfach toll“, sagte die Politikerin nach dem ersten Überraschungsmoment, „das Bild findet einen Platz in meinem Berliner Büro.“ Es war der dritte Tag ihrer jährlichen Albtour, bei der Müller-Gemmeke Menschen und Einrichtungen auf der Schwäbischen Alb kennenlernen möchte. Mit dem E-Bike fuhr die Reutlinger Bundestagsabgeordnete in Begleitung ihres Teams zur BruderhausDiakonie in Münsingen-Buttenhausen.

Finanzierungsrisiken durch Bundesteilhabegesetz

Zunächst besichtigten die Gäste das Atelier Artig, in dem Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung kreativ tätig sein können. Im Rahmen einer Kunstassistenz begleitet Kunsttherapeutin Sarah Boger seit 20 Jahren die Klientinnen und Klienten. Christian Freisem, Leitung Region Reutlingen Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie, machte Beate Müller-Gemmeke auf die Finanzierungsrisiken aufmerksam, denen offene Assistenzangebote wie dieses durch das 2020 in Kraft tretende Bundesteilhabegesetz (BTHG) ausgesetzt seien.

Steigende Nachfrage führt zu langen Wartezeiten

Anschließend diskutierten Gäste und Gastgeber über die Situation der sozialpsychiatrischen Versorgung in der Region. Auffallend sei vor allem die steigende Nachfrage älterer Menschen nach Leistungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes, so Markus Rank, Fachbereichsleitung Sozialpsychiatrie und Behindertenhilfe Alb. Häufig gebe es lange Wartezeiten, was nicht zuletzt an der Finanzierung liege. 2018 seien 25 Prozent der Kosten nicht refinanziert gewesen, betonte Rank. Beate Müller-Gemmeke reagierte prompt: "Das ist so wirklich nicht okay, hier werde ich nachhaken“, versprach sie. 

Besuch der Senioren-WG in Hohenstein-Bernloch 

Zwei Tage zuvor, am 24. Juli 2019, hatte die Grünen-Politikerin die Seniorenwohngemeinschaft Im Adler in Hohenstein-Bernloch besucht. Die ambulant betreute, mitten im Dorf gelegene Einrichtung der BruderhausDiakonie bietet acht Seniorinnen und Senioren ein neues Zuhause im eigenen Apartment und in familiärer Atmosphäre. „Selbstbestimmung und Autonomie werden hier groß geschrieben“, betonte Gabriele Hönes, geschäftsführende Leitung Ambulante Dienste, und stellte ihren Gästen das Konzept vor.

Müller-Gemmeke: Tolles Konzept für ältere Menschen

In der Senioren-WG stehe das gemeinsame Wohnen und Leben im Vordergrund. Alle am Wohnprojekt Beteiligten – Betreuungsteam, freiwillig Engagierte aus der Bürgerschaft, Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige – tragen laut Hönes gleichberechtigt Verantwortung für den Alltag in der Wohngemeinschaft. Die Pflege übernehme bei Bedarf ein ambulanter Pflegedienst, den die Bewohnerinnen und Bewohner frei wählen könnten. Dies sei „ein tolles Konzept für ältere Menschen, um im Alter selbstbestimmt zu leben“, meinte Beate Müller-Gemmeke sichtlich beeindruckt.

Seniorin fühlt sich in der WG wie zu Hause

Eine Seniorin, die seit kurzem in der Wohngemeinschaft lebt, zeigte den Besucherinnen und Besuchern ihr kleines, rund 30 Quadratmeter großes Apartment. Zu diesem gehören ein großzügiges Bad, eine Kochnische und eine kleine Terrasse. Sie fühle sich hier wie zu Hause, versicherte die Bewohnerin. Gabriele Hönes ist zuversichtlich, dass bis Ende 2019 alle Apartments vermietet sind. Nachdem die Idee einer Senioren-WG auf der Alb zunächst auf Skepsis gestoßen sei, überwiege inzwischen die Neugier – und die Freude, seinen Tagesablauf selbst gestalten zu können.

 

Bildergalerie

Gabriele Hönes (links) im Gespräch mit Beate Müller-Gemmeke.
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