Claudia Wendler schiebt Leberkäse-Scheiben in den Ofen, danach sind die Brötchen an der Reihe. Getrödelt wird in der Mensa des Graf-Eberhard-Gymnasiums und der Geschwister-Scholl-Realschule in Bad Urach nicht. Nach der sechswöchigen Sommerpause geht der Betrieb ab 12. September 2022 wieder weiter. „Hier ist immer was los, kein Tag ist wie der andere“, sagt David Lenschner. Der Werkstattbeschäftigte ist seit der Mensa-Eröffnung 2006 im Team und vorwiegend für die Kasse zuständig. Auch wenn mal mehr los ist, ist die Arbeitsatmosphäre in der Mensa freundlich und entspannt. „Wir haben uns mit den Jahren professionalisiert“, sagt David Lenschner. „Wir haben ein System entwickelt, weil wir wissen, wer was gut kann.“ Seine Kollegin Antonella Ferraivolo ergänzt: „Wir haben viel Spaß mit den Schülern und den Arbeitskollegen – wenn es mal ein bisschen Stress gibt, helfen wir uns gegenseitig.“

Die Mensa hat den ganzen Tag über geöffnet

Die Aufgaben, die täglich in der Mensa anstehen, sind vielfältig: Brötchen aufbacken und belegen, verkaufen, kassieren, spülen und reinigen. Das Mittagessen bestellen die Schüler vor, da es von einem Caterer kommt. Darüber hinaus hält das Mensa-Team ein breites Angebot an Snacks bereit: frisch belegte Brötchen, Pommes, Pizzaschnitten, Donuts, Eis – alles, was bei Schülern gut ankommt. Die Mensa hat den ganzen Schultag über geöffnet. In den Freistunden treffen sich Schülerinnen und Schüler dort häufig zur Gruppenarbeit. „Insgesamt kommen jeden Tag etwa 400 bis 500 Schülerinnen und Schüler zu uns“, sagt die Gruppenleiterin Rosanna Lonetti. „Aber auch Lehrkräfte und die Schulleitung essen hier regelmäßig.“ Rosanna Lonetti ist gelernte Hauswirtschafterin. Ihre Ausbildung hat sie 2006 im Bad Uracher Seniorenzentrum Herzog Christoph der BruderhausDiakonie abgeschlossen. Als Springerin sei sie danach viel herumgekommen, habe zwischendurch auch für ein anderes Unternehmen gearbeitet. „2020 bin ich zur BruderhausDiakonie zurückgekehrt, weil hier die Menschlichkeit sehr wichtig ist.“

Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten ein Gewinn

„Mit der Mensa wollen wir die Integration fördern“, erläutert Gerhard Droste, ehemaliger Leiter des Geschäftsfelds Arbeit und berufliche Bildung der BruderhausDiakonie. „Die Werkstattbeschäftigten arbeiten dort, wo auch andere Menschen tätig sind.“ Dass die Menschen im Mensa-Team eine psychische Erkrankung oder eine Lernbeeinträchtigung haben, ist ihnen nicht anzusehen. „Vielen Schülern ist das auch gar nicht bewusst“, merkt Elisabeth Schmidt an, die als Bereichsleitung Hauswirtschaft der BruderhausDiakonie-Werkstätten für den Mensa-Betrieb zuständig ist. Auch Susanne Müller, Rektorin des Graf-Eberhard-Gymnasiums, ist von der Kooperation der Werkstätten und der Schule überzeugt: Die Mensa sei für beide Seiten ein Gewinn. „Für unsere Schüler ist es eine Bereicherung, dass sie durch die Begegnung mit Menschen mit Beeinträchtigungen Rücksichtnahme und Toleranz lernen können“, sagt sie.

Gemeinsame Bildungsangebote für die drei Mensen

Seit 16 Jahren betreiben die Werkstätten der BruderhausDiakonie die Mensa in Bad Urach. Die Idee dazu hatte ursprünglich Gerhard Droste: „Ich war im Elternbeirat und habe vorgeschlagen, dass doch die BruderhausDiakonie die Mensa übernehmen könne“, berichtet er. Manch einer fand die Idee, dass Menschen mit Handicap im Schulbereich arbeiten, zunächst ungewöhnlich. „Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit“, sagt Droste. Neben der Mensa in Bad Urach gibt es noch zwei weitere von den Werkstätten der Bruderhaus- Diakonie betriebene Mensen in Metzingen. In den Schulferien nehmen die Mensa-Beschäftigten an Bildungsangeboten teil. „Wir sind dann gerne kreativ, backen gemeinsam, machen Ausflüge, etwa zum Uracher Wasserfall“, berichtet Rosanna Lonetti. Dass die drei Mensen dabei kooperieren, sei nicht nur praktisch, es fördere auch den sozialen Austausch untereinander.