Ein 18-jähriger junger Mann stand plötzlich ganz alleine da. Sein Vater hatte die Familie verlassen, seine Mutter nahm sich das Leben. Er rutschte in eine schwere Krise. Zunächst schämte er sich dafür, dass er Hilfe brauchte. Unterstützung fand er im Projekt „PeP Potenziale erkennen – Perspektiven entwickeln“ des Ausbildungsverbunds der BruderhausDiakonie in Pfullingen. Seit 2017 unterstützt das PeP-Team, bestehend aus vier Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie einer Psychologin, junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren aus dem Landkreis Reutlingen, Probleme zu lösen und eine berufliche Perspektive zu entwickeln.

Junge Menschen erhalten eine neue Perspektive

Das Projekt wird vom Jobcenter finanziert und ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine Dauer von sechs Monaten angelegt. „Ziel ist es, die jungen Menschen zunächst in die Lage zu versetzen, neue Perspektiven zu entwickeln. Uns geht es darum, sie zu stabilisieren, damit sie im Leben Fuß fassen können“, erläutert Teamleitung Anna-Maria Struch das Konzept. „Wir arbeiten mit jungen Menschen, die von allgemeinen Jugendhilfe-Leistungen nicht mehr erreicht werden“, fügt Sozialpädagoge Daniel Marenke hinzu. Die Schwierigkeiten mit denen sie zu kämpfen haben seien vielfältig und reichten von Lebenskrisen und Perspektivlosigkeit über psychische Erkrankungen und Probleme mit Drogen bis hin zu Kriminalität oder Obdachlosigkeit, berichtet er. Aber auch andere Herausforderungen wie die Bewältigung von Schulden oder bürokratische Vorgänge wie das Stellen eines Hartz IV-Antrags geht das Team gemeinsam mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen an.

Gespräche finden in entspannter Atmosphäre statt

Zweimal die Woche tauschen sich die jungen Frauen und Männer in entspannter Atmosphäre mit ihren Beraterinnen und Beratern aus. Gespräche und Beratungen finden auch einmal bei einem Spaziergang statt. „Uns ist ein vertrauensvoller Austausch sehr wichtig“, erklärt Sozialpädagoge Sebastian Witt. „Gerade auch auf die kleinen Schritte kommt es an.“ Schnell und unkompliziert sind die Beraterinnen und Berater per E-Mail oder Mobiltelefon erreichbar. „Wenn die Problemlast so groß wird, dass jemand seine Wohnung nicht mehr verlassen kann, besuchen wir die Person auch zu Hause – natürlich nur, wenn sie damit einverstanden ist“, ergänzt Witt.

Kooperationen sind essentiell

Manche jungen Menschen sind schwer erreichbar. „Wir versuchen hinter ihre Fassade zu blicken“, sagt Psychologin Carmen Tornow. „Wir haben es bei unserem Klientel mit unterschiedlichsten Problemlagen zu tun. Deswegen arbeiten wir interdisziplinär – im Austausch mit Behörden, Schuldner- und Suchtberatungsstellen, Anwaltsbüros oder auch mit Kliniken“, schlüsselt Anna-Maria Struch auf. Bei jungen Müttern, die überfordert seien, kooperieren die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen beispielsweise eng mit dem Jugendamt.

Praktika bieten Einblicke in die Arbeitswelt

Mit den jeweiligen Netzwerkpartnern erhalten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf kurzem Weg passende Unterstützung. Einblicke in den Berufsalltag gibt es bei Interesse direkt in der Metallwerkstatt des Ausbildungverbundes in Pfullingen oder in anderen Einrichtungen der BruderhausDiakonie wie der Reutlinger Fahrradwerkstatt oder dem Bioland Hofgut Gaisbühl. Das Konzept kann helfen, den Berufseinstieg zu schaffen: „Eine Teilnehmerin ist jetzt gerade in ihrem letzten Ausbildungsjahr als Metallfeinbearbeiterin“, berichtet PeP-Berater und Sozialpädagoge Kristian Martinovic.
Jeden Dienstag und Donnerstag bietet das PeP-Team von 10 Uhr bis 15.30 Uhr eine offene Sprechstunde in der Max-Eyth-Straße 7 in Pfullingen an. Junge Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, können auch ohne Anmeldung kommen.

Informationen zum Projekt finden Sie auch hier.

Foto im Detail:
Anna-Maria Struch, Carmen Tornow, Daniel Marenke, Sebastian Witt und Kristian Martinovic (v.l.).