Stadt Eislingen/Fils kooperiert mit BruderhausDiakonie

Letzte Station Obdachlosenunterkunft  – das gilt in Eislingen/Fils im Landkreis Göppingen derzeit für rund fünfzig Menschen. Ein Großteil davon lebt in der Schlossstraße in einer Zeile aus stark renovierungsbedürftigen Reihenhäuschen aus der Nachkriegszeit, an die sich ein doppelstöckiger Block aus 18 Containern anschließt.  Gerd Fahrners Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die wenigen noch freien Unterkünfte nicht belegt werden müssen. Der Diplom-Sozialpädagoge der BruderhausDiakonie ist mit einer halben Stelle für die Wohnungsnothilfe in Eislingen zuständig. Die Beratung wurde im Oktober 2018  eingerichtet und die BruderhausDiakonie, die bereits in der Jugendsozialarbeit eng mit der Stadt kooperiert, hierfür als Partner gewonnen.

Obdachlosigkeit gar nicht erst entstehen lassen

Zuvor seien vom Wohnungsverlust Betroffene häufig im Liegenschafts- oder im Ordnungsamt vorstellig geworden, wie Kornelia Glass, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts, berichtet. Doch dort fehlten sowohl personelle Kapazitäten sowie das fachliche Knowhow, um sich um solche meist schwierigen sozialen Problemlagen zu kümmern. Das Konzept der Wohnungsnothilfe orientiert sich an einem Angebot, das Sigrun Rose, Leiterin der BruderhausDiakonie Region Ulm/Ost-Württemberg, während ihrer früheren Tätigkeit beim Diakonischen Werk Neu-Ulm mitaufgebaut hatte, mit dem Ziel, „Menschen in ihren Wohnungen und sozialen Netzwerken zu halten und Obdachlosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen“, so Rose.

Die Wohnraumknappheit verschärft die Notlagen

Klassischerweise sei es die Kündigung durch den Vermieter, die zu einer Notsituation führt, sagt Fahrner. Die erfolge wegen Eigenbedarf oder Mietschulden, letzteres sei der häufigste Grund. Hinzu komme mietwidriges Verhalten, etwa durch Ruhestörung oder Verwahrlosung. Die Ursachen für unbezahlte Mieten wiederum seien mannigfaltig: Jobverlust, Trennung, Kürzungen von Sozialleistungen, zählt Fahrner auf. Die aktuelle Wohnraumknappheit trägt doppelt zur Verschärfung der Notlage bei: Weil die Gekündigten auf dem umkämpften Mietmarkt schlechte Karten haben, droht ihnen im Fall eines Räumungsbeschlusses die Obdachlosigkeit; zudem verbleiben die Menschen länger in der Obdachlosenunterbringung als früher. Betroffene seien häufig alleinstehende Männer sowie alleinerziehende Mütter, aber auch Familien. Durch die Wohnungskündigung sehen sie häufig ihre Existenz gefährdet. Um präventiv tätig werden zu können, ist die Wohnungsnothilfe im Rathaus an der richtigen Stelle angesiedelt: Mitarbeiter der Ämter wie etwa Melanie Gaballo vom Sachgebiet Bürgerservice/Soziales erfahren beim Kundenkontakt meist frühzeitig von bestehenden Mietproblemen und geben die Info an ihren Kollegen Gerd Fahrner weiter. Der wiederum steht mit weiteren Beteiligten wie etwa Wohnbaugesellschaften, Gericht oder Jobcenter in Kontakt.

Mittler zwischen Mieter und Vermieter

Zwischen Mieter und Vermieter zu vermitteln, beide Parteien aufeinander zuzubewegen  – darin sieht Fahrner  seine Hauptaufgabe. Darüberhinaus informiert er seine Klienten über Gesetzeslagen, formuliert Widerspruchs-Schreiben, unterstützt bei der Wohnungssuche. Mit einer Mietschuldenübernahme durch das Jobcenter oder das Kreissozialamt könne sich mancher Konflikt entschärfen lassen, weiß der Sozialpädagoge. Ist der Räumungsbeschluss bereits an den Mieter ergangen, schreibt Fahrner diese an, kommt keine Reaktion, macht er sich zu Hausbesuchen auf.

Bei fünf Familien und zehn Einzelpersonen hat der 52-Jährige bislang den Verlust der Wohnung abwenden können, seitdem er im Juli  2019 die Fachstelle von seiner Vorgängerin übernahm. Pro Woche komme ein neuer Fall hinzu, so Fahrner, der auch für die Betreuung der Obdachlosenunterkünfte in der Schlossstraße zuständig ist. Dort wird für akute Fälle ein Not-Container frei gehalten. Die Zahl der Hilfesuchenden nehme zu - der Erfolg des Angebots habe sich herumgesprochen, mutmaßt er.   

Nachbarkommunen interessieren sich für das Eislinger Modell

„Mit der Wohnungsnothilfe sind wir auf dem richtigen Weg“, ist der Eislinger Oberbürgermeister Klaus Heininger überzeugt. Die Personalkosten für die Fachstelle seien weitaus geringer als die Kosten für die Unterbringung von Obdachlosen, so der OB. Im Vordergrund stehe für die Kommune aber, dass für die Betroffenen die soziale Abwärtsspirale gestoppt werden könne, betont Heininger. Der Erfolg des Eislinger Wohnungsnothilfe-Modells hat längst das Interesse von benachbarten Kommunen hervorgerufen.

Die Sprechstunde der Wohnungsnothilfe Eislingen/Fils im Bürger- und Ordnungsamt im Rathaus, Schlossplatz 1, ist Dienstag 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr, Mittwoch ab 14 Uhr nach telefonischer Vereinbarung, Donnerstag 10 bis 12 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr. Telefonnummer 07161 804-154, Mobilnummer 0175 5226256.