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Halt und Orientierung für psychisch Erkrankte

Der Sozialpsychiatrische Dienst Reutlingen feierte sein 25-jähriges Jubiläum

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Reutlingen ließen Höhen und Tiefen der vergangenen 25 Jahre Revue passieren.

Wer psychische Probleme hat, findet Hilfe beim Sozialpsychiatrischen Dienst. Dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten, vermitteln Hilfen und unterstützen psychisch Erkrankte und ihre Angehörigen im Alltag – und tragen dazu bei, dass Erkrankte seltener in die Klinik müssen. „Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, wie eine Versorgung psychisch kranker Menschen ohne den Sozialpsychiatrischen Dienst möglich wäre“, gestand Sozialdezernent Andreas Bauer am vergangenen Donnerstag in der Reutlinger Citykirche. Dort feierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertreter psychiatrischer Kliniken, des Zentrums für Gemeindepsy-chiatrie, der Sozialverwaltung und der BruderhausDiakonie das 25-jährige Jubiläum des Dienstes.


1987 hatte die damalige Gustav Werner Stiftung den Sozialpsychiatrischen Dienst Reutlingen gegründet. Vergleichbare Einrichtungen gab es in Baden-Württemberg zuvor nur in Calw und in Stuttgart. Fachlich ist der Dienst eine Erfolgsgeschichte. Er hat geholfen, die Versorgung psychisch kranker Menschen deutlich zu verbessern. Darin waren sich die Gäste der Feier einig. „Die sozialpsychiatrischen Strukturen helfen, klinische Interventionen zu verhindern“, sagte etwa Lothar Bauer, der Vor-standsvorsitzende der BruderhausDiakonie.


Dennoch verliefen die vergangenen 25 Jahre wechselhaft. Denn die Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste war immer wieder gefährdet. Das zeigte ein Rückblick der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Reutlingen und Münsingen. „Be-sonders düster“ sei das Jahr 2002 gewesen, berichteten sie. Drastische Mittelkür-zungen hatten damals dazu geführt, dass das Hilfeangebot des Dienstes deutlich eingeschränkt werden musste. Bemängelt wurde vor allem, dass die Finanzierung des Dienstes bis heute nicht gesetzlich geregelt ist und bisher auf Freiwilligkeitsleis-tungen des Landes und der Landkreise beruht.


Über die Perspektiven und die Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste dis-kutierte auf dem Podium Thomas Poreski, sozialpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, mit Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen, dem Sozialdezernen-ten Andreas Bauer und Georg-Schulte-Kemna, dem Geschäftsfeldleiter Sozialpsy-chiatrie der BruderhausDiakonie. Poreski verwies darauf, dass im aktuellen Doppel-haushalt des Landes erstmals seit der Kürzung der Fördermittel im Jahr 2002 wieder vier Millionen Euro zur Finanzierung der Dienste eingestellt seien. Das wertete eine psychiatrieerfahrene Podiumsteilnehmerin als „Hoffnungsschimmer, dass die Politik sagt, sie will etwas unternehmen.“ Diskussionsleiter Georg Schulte-Kemna formulierte es so: „Ein Dienst, der Menschen Halt und Orientierung geben soll, muss selbst auch Halt und Orientierung haben.“

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