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Gewaltprävention

Fachtagung in der BruderhausDiakonie

Am 18. Oktober diskutierten Fachleute in der BruderhausDiakonie über das Thema Grenzverletzung, Misshandlung und Vernachlässigung in der sozialen Arbeit.

Experten referierten über Gewalt und Gewaltprävention in sozialer Arbeit

Experten referierten über Gewalt und Gewaltprävention in sozialer Arbeit

Es gibt viele Formen von Gewalt

Ziel der Tagung war es, den Teilnehmern einen Einblick in die Entstehungszusammenhänge von Gewalt in der sozialen Arbeit zu geben und sie über die Möglichkeiten zur Prävention aufzuklären. Dabei ist der Begriff Gewalt nicht nur mit körperlichen Übergriffen gleichzusetzen. Vielmehr umschließt er auch Vernachlässigung und psychische Aspekte. „Wenn man bei der Pflege einer Person eine von ihr empfundene Grenze überschreitet, ist das auch eine Form von Gewalt“, verdeutlichte der Organisator der Veranstaltung, Rainer Kluza, die Problematik.

Beziehungen in der sozialen Arbeit sind häufig Abhängigkeitsverhältnisse. Bei diesen gibt es ein erhöhtes Risiko für Machtmissbrauch und Grenzverletzungen. „So kommt es leider immer wieder vor, dass Pflegepersonen gegenüber ihren Schutzbefohlenen Gewalt anwenden“, sagte Siegfried Huhn, Gesundheitswissenschaftler aus Berlin, in seinem Vortrag vor mehr als hundert Zuhörern.

Veränderungen müssen von unten kommen

Externe Fachleute referierten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu dem Thema. Monika Schröttle, Sozialwissenschaftlerin aus Bielefeld, informierte darüber, dass Frauen mit Behinderung überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalt werden. Das dokumentiert auch das Ergebnis ihrer Studie „Gewalterfahrung von Frauen mit Behinderung“.

„Veränderungen im Bereich der Gewaltprävention müssen letztendlich von unten und nicht aus der Politik kommen“, betonte Experte Manfred Kappeler, emeritierter Professor der Erziehungswissenschaften aus Berlin. „Die heutige Veranstaltung und die Bemühungen der BruderhausDiakonie sind ein wertvoller Beitrag, die oft noch leeren Worthülsen mit Leben zu füllen.“

Rahmenkonzept zur Gewaltprävention gibt Orientierung

So hat die BruderhausDiakonie in ihren Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg ein Rahmenkonzept zur Gewaltprävention eingeführt. Georg Schulte-Kemna, ehemaliger Leiter des Geschäftsfelds Sozialpsychiatrie stellte das Konzept vor. Der Leitfaden gibt unter anderem Orientierung, wie sich Mitarbeiter in herausfordernden Situationen verhalten und an wen sie sich wenden können.

Teil des Konzepts ist es außerdem, die Hürden für Beschwerden für Klienten möglichst niedrig zu setzen. „Für den einen ist es leichter, sich mit seiner Beschwerde an eine Vertrauensperson im Team zu wenden, der andere schreibt oder spricht lieber die Verwaltung an, ein anderer lieber einen externen Ansprechpartner“, so Kluza. Es sei deshalb wichtig, viele Wege für Beschwerden zu ermöglichen.

Geschichte wurde aufgearbeitet

Die BruderhausDiakonie hat sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Gewalt und Gewaltprävention befasst. Am 9. Oktober hatte das Unternehmen die Studie über seine Heimgeschichte in den 50er und 60er Jahren veröffentlicht, die 2008 in Auftrag gegeben wurde. Darin wurden Fälle von körperlicher und psychischer Gewalt in Kinderheimen der Vorgängerorganisationen Gustav Werner Stiftung und Haus am Berg offengelegt. „Neben der Aufarbeitung der Geschichte war es uns auch wichtig, ein Konzept zur Prävention entwickeln, um künftig Grenzverletzung und Gewalt möglichst auszuschließen“, so Kluza.

 

Fotos: BruderhausDiakonie

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