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Die Predigt im Detail

Pfr. Lothar Bauer

Jesaja 6, 1 - 13

Predigt am 11. Juni 2017, Gottesdienst in der Christuskirche in Korntal am Dreifaltigkeitssonntag (Trinitatis)

Schriftlesung: Jesaja 6, 1-13 - Jesajas Berufung zum Propheten

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 
2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie.
3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.
5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.
6 Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm,
7 und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.
8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!
9 Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht!
10 Verfette das Herz dieses Volks und ihre Ohren verschließe und ihre Augen verklebe, dass sie nicht sehen mit ihren Augen, noch hören mit ihren Ohren, noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.
11 Ich aber sprach: Herr, wie lange? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt.
12 Denn der HERR wird die Menschen weit wegführen, sodass das Land sehr verlassen sein wird.
13 Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals kahl gefressen werden, doch wie bei einer Terebinthe oder Eiche, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

 
Predigt

Liebe Gemeinde,

Erfahrung des Heiligen und die Ehrfurcht.

Ganz in Weiß, strahlend stand sie vor mir. Ihre schlanke, aufstrebende Gestalt zog mich in ihren Bann und ließ mich in ihrer Betrachtung versinken. Würde, spielerische Lebensfreude und großen Ernst verkörperte sie zugleich.

Sie stand vor mir wie eine Braut, bereitet für Ihren Bräutigam: die Kathedrale im französischen Nordosten. Gebaut nicht aus dunklem Sandstein, wie die meisten gotischen Kathedralen östlich des Rheins, sondern aus einem hellen, ja weißen Stein mit fein ziselierten Formen und einer Anmutung von schwebender Leichtigkeit. Der schwere Stein als Ostergleichnis – gestaltet, als würde er schweben. Wie eine göttliche Laterne, so zeigt sie sich mit ihren Glasfenstern von innen.

Am Kreuzungspunkt von Längs- und Querschiff bezeichnete eine kleine quadratische Bodenplatte den Ort unterhalb des Schlusssteines, der mehrere Dutzende Meter darüber schwebt und die beiden sich kreuzenden Gewölbe zusammenhält. Auf diesem kleinen Plattenquadrat nahm ich meinen Platz ein und musste an Mose denken, dessen Gottesbegegnung am Dornbusch auch von einem der farbintensiven Fenster nacherzählt wurde. „Zieh deine Schuhe aus, denn das Land auf dem Du stehst, ist heiliges Land!“

Es lässt sich kaum reden über solche Momente, ohne sie zu zerreden. Paulus versucht es in seiner Brief, in dieser Doxologie, diesem Lobpreis, den wir vorher gehört haben:

Wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? (Jesaja, 40, 13). 
Wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müssten? (Hiob 41, 3).
Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit.

Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth. Alle Lande sind seiner Ehre voll! So singen die Engel vor dem Thron des Herrn der Heerscharen. Die Erbauer der Kirche, sie müssen etwas verstanden haben von dem Faszinosum, das der Gedanke Gottes, der Gedanke des Heiligen in diese Welt bringt. Etwas Trunkenheit von der eigenen Schöpfer- und Konstruktionskraft könnte auch dabei gewesen sein. Nicht alle dürften die Disziplin eines Bach gehabt haben, der unter seine Werke schrieb: Soli deo gloria – allein Gott die Ehre. Und diese Haltung ist keine Minderung seiner Genialität, wohl eher im Gegenteil.

Urgewalt des Heiligen und „Denkmal“ des Heiligen

„Du hältst Deine Gottesdienste so angenehm menschlich, als empfängest du die Gemeinde in Deinem Wohnzimmer“, sagte eine liebe Kirchengenossin ihrem Pfarrer. Vielleicht sprach sie auch noch vom leichten Plauderton, mit dem er der Gemeinde begegnet. Der Angesprochene reagierte wie Brechts Herr Keuner mit einem erschrockenen: „Oh!“ Und je länger, je mehr betrachtete er seine protestantisch-freundliche, menschliche und vielleicht manchmal allzu menschliche Art, Gottesdienste zu feiern, mit anderen Augen und fragte sich, ob man mit dieser Leichtigkeit des Seins im Kirchenraum nicht in Gefahr gerät, in Seichtigkeit abzugleiten und diese Dimension des Heiligen zu verlieren, um die es in einer Kirche in einem Gottesdienst gehen muss und allein gehen kann.

Heute, liebe Gemeinde, ist nicht das Jahr, in dem Usia, der König starb und Jesaia den Thronsaal Gottes sah. Gottesdienste kann man feiern – inszenieren, wenn Sie so wollen. Kirchenbauten, Kathedralen kann man konzipieren und bauen. Der Einbruch des Heiligen in ein Leben ist unvorhersehbar. Jesaia konnte den Zeitpunkt seiner Vision im Nachhinein benennen. Aber nicht im Voraus, so wie man unsere Gottesdienstzeiten die Woche vorher im Amtsblatt lesen kann.

Das Heilige kann man nicht machen. Es geschieht. Die Kirchenbauten und das, was in ihnen stattfindet, sollten Räume sein, die erfahrbar machen, was das ist, das Heilige. Sie sollten diesen Raum des „ganz Anderen“ – um mit Karl Barth zu reden – offen halten, besonders vielleicht in einer säkularen Welt, aus der das, was man früher Aberglaube nannte, nicht verschwindet, aber die diesen weiten Blick nach oben so oft nicht mehr findet. Was sind Kirchengebäude? Sie sind Erinnerungen, Denkmale des Heiligen. Der Kirchturm, das Glockengeläut erinnern daran, dass da noch etwas ist, etwas anderes. Sie erinnern uns daran, dass das Heilige in der Welt ist – oder richtiger: dass die Welt im Heiligen ist, dass diese Zeit in der Ewigkeit ruht. Wir feiern Gottesdienste, das Abendmahl, wir taufen im Vertrauen auf die Verheißung der Gegenwart Gottes, der Wirksamkeit des Heiligen in unserer Welt.

Hoffnung und Demut finden hier zusammen. Denkmal und lebendiges Geschehen! Bei Jesaia sind wir im lebendigen Geschehen. Jesaia bewirbt sich nicht um das Prophetenamt. Er kann sich nicht mit einem tollen Kompetenzprofil bewerben. Im Gegenteil. „Wehe mir“, ruft er aus. „Ich vergehe. Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ Hier haben wir es bildlich vor Augen im Gedenkjahr der Reformation, was mit Rechtfertigung gemeint ist – in diesem Bild von dem Engel, der die Lippen des Jesaia mit der glühenden Kohle berührt. Wir rechtfertigen und heiligen uns nicht selber. Wir werden gerechtfertigt und geheiligt.

Wir können uns nicht selber reinigen und entsühnen, wir nicht als Prediger und Sie nicht als Hörer. Es ist allein Gottes Werk, Gottes Gnade und Geschenk. Das müssen wir festhalten. Grade heute, grade in einer Zeit, die von ihren Künsten mindestens so fasziniert ist wie die alten Kathedralen-Erbauer.

Das Denkmal des Heiligen, die Erinnerung an die Existenz des Heiligen, die Kirche, der Gottesdienst – sie sollten das zum Ausdruck bringen: dass da etwas Größeres ist; etwas, was menschliches Erkennen und Vermögen übersteigt; etwas, das uns zur Ehrfurcht ruft, zur Verehrung, zur Anbetung, zu Lob und Dank.

Ein Blick zu unseren katholischen Brüdern und Schwestern könnte lohnend sein. Wer dort die Kirche, diesen Denkmalsraum des Heiligen betritt, der bringt zum Ausdruck, dass es eine Differenz zwischen dem Draußen und dem Drinnen gibt. Er verneigt sich gegen den Altar und das Kreuz. Er taucht die Hand in das geweihte Wasser und bekreuzigt sich. Der Respekt gegen die Heilige Schrift äußert sich auch im Umgang mit der Heiligen Schrift. Der Liturg küsst die Bibel, bevor er aus ihr liest.

Man kann zu viel des Guten tun, zu selbstsicher mit der Anwesenheit des Heiligen umgehen. Aber es gibt auch ein zu wenig. Ein Moment des Innehaltens ist auch in der protestantischen Tradition vorgesehen beim Eintritt in diesen Denkmalsraum des Heiligen. In meiner Jugend war es selbstverständlich, dass man einen Moment der Sammlung suchte, wenn man seinen Platz in der Kirche erreicht hatte und gegen den Altar gewandt im Gebet stehen blieb, sich vielleicht auch verneigte, bevor man sich setzte. Das ist noch nicht ganz aus der Übung gekommen.

Christus und das Heilige. Die Antwort der Reformation.

Im Umgang mit dem Heiligen gibt es für das Abendland, für die christliche Welt einen Prüfstein: Christus. Seine Predigt, seine Taten, sein Leben, Sterben und Auferstehen sind historisch gesehen der größte Einbruch des Heiligen in unsere Welt. Seit 2000 Jahren werden Menschen von dieser Wirklichkeit ergriffen, fasziniert. Aber sie erleben auch – wie Jesaia – heiliges Erschrecken. Die Predigt Jesu vom Reich Gottes, das Grundgesetz dieses ganz anderen Reiches, das er in der Bergpredigt verkündigt hat und das mit ihm anwesend war in unserer Zeit und Welt, stellt uns ins Feuer. Viel Ernsthaftes, viel Bewundernswertes, ja Heiliges ist aus dem Umgang mit dieser Botschaft hervorgegangen, aber auch viel Überfordertsein, ja auch Scheinheiliges ist entstanden.

Wehe mir, ich vergehe, ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen. Das ist unsere Situation angesichts des Christusgeschehens. Wo ist der Engel mit der glühenden Kohle, der sterbliche, irrende und sündigende Menschen rettet?

Der alten Kirche ist zugute zu halten, dass sie die Bergpredigt ernst nahm und sie leben wollte. Nur wenige Auserwählte in klösterlicher Weltabgeschiedenheit konnten danach leben – in Keuschheit, fern der Begierden, in Armut, fern der Gier nach Besitz, in Gehorsam und nicht nach dem eigenen Willen. So dachte man.

Dieser Ausstieg aus der Welt erwies sich für viele, so für den Mönch Martin Luther, als Fehlschlag. In einem Lied sagt er über diesen frommen Selbstversuch:

Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein
Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel
auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd
hatt’ mich besessen.

Das Heilige in der Welt. Protestantische Verantwortungsethik.

Die Reformation prägte einen anderen Umgang mit dem Heiligen. Die reformatorische Erkenntnis, dass der Mensch nicht durch seine Werke gerecht wird, sondern durch eine von Glauben, Liebe, Vertrauen und Ehrfurcht geprägte Gottesbeziehung, diese Befreiung von einem überwiegend angstbesetzten Glauben, machte aus dem Mönch und Aussteiger Martin Luther einen Einsteiger. Die andere Gottessicht führte zu einer anderen Weltsicht. Das Heilige konnte nicht nur hinter Kloster- oder Kirchenmauern verwirklicht werden, sondern mitten in der Welt. Er prägte eine der Welt zugewandte Verantwortungsethik, die das Heilige in der Welt platzierte. Gott ruft nicht primär aus der Welt heraus, aus Familie, Wirtschaftsgeschehen, Schöpfung, Nachbarschaft. Er will, dass wir unsere Berufung in der Welt entdecken, dass wir uns hineinrufen lassen in Verantwortung in der Welt und für sie.

Er entdeckte, wenn Sie so wollen, wie Gott seine Kathedralen mitten im Weltgeschehen baut, wie Gottesdienst geschieht mitten im Alltag der Welt. Ein mutiger Weg. Luther konnte das in Abgrenzung zum alten Glaubensverständnis sehr drastisch zum Ausdruck bringen. Der Knecht, der den Acker bestellt, damit Brot wächst, das die Menschen ernährt, tut ein Werk, das Gott so gut gefällt, wie die Gebete der Mönche im benachbarten Kloster. Eltern, die ihre Kinder ins Leben hineinführen und sie erziehen, Lehrer, die bilden, Ärzte, die heilen, erfüllen eine göttliche Berufung. Diese verantwortungs- und weltorientierte Ethik, diese Berufs-, Verantwortungs- und Arbeitsethik hat unser Land geprägt, besonders auch hier das Schwabenland. Manches ist dabei, zu verschwinden. Und man hat das Gefühl, mit dieser Mischung aus Pflichtbewusstsein, Verantwortungsethik, Fleiß und Sozialität verlieren wir auch etwas, das uns fehlen wird.

Die Reformation hat ein Ende gemacht mit Brimborium und mit der Illusion, man könne über das Heilige verfügen, es verwalten und vermarkten. Luther hat die Lichtpunkte der Verantwortung, der Nächstenliebe im Alltag, der Welt sichtbar gemacht. Das ist die Stärke dieses Denkens und Glaubens bis heute. Er hat die Heiligkeit sichtbar gemacht, die im Alltagsleben aufscheinen kann und will.

Aber es besteht auch die Gefahr der Unkenntlichkeit des Heiligen, seiner Heimatlosigkeit und Diffusion. Denn zunächst ist es für uns Sterbliche nichts anderes als Differenz – Differenz zwischen Zeit und Ewigkeit, Gott und Mensch. Der protestantische Weg der Weltbezogenheit, dieser Weg der Verantwortungsethik ist gefährdet durch bürgerliche Selbstzufriedenheit, politische Anpassung und Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist. Aus dem Glutofen der Predigt Jesu vom Reich Gottes wird schnell auch ein gemütliches Wärmekissen, eine Form von billiger Gnade, die es sich auch nicht schwerer macht als jemand, der im Sinne des alten Systems sehr routiniert zur Beichte geht und seinen Ablass einhandelt.

Provokation durch das Heilige.

Die Auseinandersetzung mit dem Heiligen führt in Ernsthaftigkeit, in Klarheit und Wahrheit. Auch unangenehme Wahrheiten kommen auf den Tisch – auch die Wahrheit, dass Menschen das Offensichtliche nicht sehen und nicht hören wollen, dann wenn es unangenehm ist, wenn es nicht in den Kram passt. So war es bei Jesaia. „Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht!“

Ich werde nicht der einzige sein, der bei dieser Buß- und Verstockungsrede des Jesaia heute an die Situation der Schöpfung und der Geschöpfe auf unserer Erde denkt. Welche Kathedralen bauen wir heute für das Heilige? Albert Schweitzer hat das Wort von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ geprägt. Eine der entscheidenden Zukunftsfragen wird sein, wie wir mit unserer „Naturkathedrale“ umgehen, mit dem Wunder der Schöpfung, in dessen Mitte wir als Menschen stehen. Lutherische Berufsethik müsste uns alle als Leute sehen, die sich dieser Herausforderung stellen und sich einsetzen, praktisch und pragmatisch die Dinge anpacken. Für diese Welt und ihre Bewohner sind wir zu Göttern geworden. Wir greifen tief in ihr Schicksal ein. Aber wie? Die Meere ersticken im Plastikmüll. Viele Lebewesen und Arten verschwinden aufgrund menschlicher Einwirkung. Wenn sie reden könnten, würden sie uns, die wir uns mächtig gebärden, wohl nicht der Engelswelt zuordnen.

Wir sagen, wir können nichts tun. Wir adressieren Leute, die wir für mächtig halten. Die treffen nicht die richtigen Entscheidungen, die da oben. Aber: Haben wir hier unten nicht unheimlich viel Macht und viele Gestaltungsmöglichkeiten? Ja, welche denn, mag man fragen. Wir kaufen ein. Wir sind Konsumenten. Biologische Alternativen sind entstanden, auch deshalb, weil Menschen, weil Konsumenten es gewollt und gefordert haben. Wir sind umgeben von einer Bilder- und Botschaftenflut, von einer permanenten Verführung. Vielem sieht man den kurzen Lebenszyklus an und das Ziel, auf das es zusteuert: die Müllhalde. Der nächste Schritt ist möglich für jeden von uns. Die christliche Tradition gibt uns an die Hand: Mäßigung war immer eine Tugend, die kirchlich eingeübt wurde. Sie kann uns helfen. Überall kann man fragen: Unter welchen ökologischen und sozialen Standards wurde etwas produziert. Da, wo man keine oder keine befriedigende Antwort bekommt, muss man nicht kaufen.

Ja, die Zusammenhänge sind komplex und nicht beliebig per Kippschalter veränderbar. Bei allem, was man tut, passiert auch etwas, womit man nicht gerechnet hat. Auch Umweltmedizin hat Nebenwirkungen.

Haben wir den Elan noch, der vor Jahrzehnten in den Kirchen da war im Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung? Diese Themen bleiben, diese Aufgabe bleibt. Auch wenn die Antworten von damals nicht alle in die Zukunft weisen. Wie sieht unsere Lernkurve aus? Der Prophet Jesaia fragt: Wie lange sollen die Leute nicht hören und nicht verstehen? Die Antwort ist ernüchternd, wenn auch nicht ohne Hoffnung: wie bei einer Terebinthe oder Eiche, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein. Die Hoffnung kommt zum Ausdruck, dass aus dem Stumpf, aus der Wurzel neue Triebe wachsen. Möge der Baum des Lebens nicht bis auf den Stumpf zurückgeschnitten werden, bis wir Vernunft annehmen.

2000 Jahre Christentum, 2000 Jahre Provokation durch das Heilige, das nicht abseits der Welt zelebriert werden, sondern in ihr wirksam werden will. Provocare, das heißt herausrufen. Man lebt heute ganz gut, auch ohne sich mit dem lieben Gott und der Bibel abzugeben. Er lässt sich noch anrufen?

Es ist nicht an mir, über andere Lebensentwürfe zu urteilen, zumal das eigene Leben im Angesicht Gottes fragwürdig ist und bleibt. Auch das darf uns das Reformationsjahr in Erinnerung rufen. Was aber wird aus unserer Zivilisation, wenn sie diese Provokation, diese Dimension des Heiligen und die damit verbundene Tiefe verliert? Die Begegnung mit dem Heiligen hat Menschen auf einen hohen Anspruch ausgerichtet, hat die Verantwortung für den Nächsten und die Gemeinschaft in die Mitte gerückt und die Selbstbezogenheit als Irrweg deklariert. Man regt sich heute auf, wenn einer die Parole ausgibt, dass dies oder das „first“ sei. Aber leben wir nicht recht ungeniert ein „me first“, ein „ich zuerst“? Das Heilige provoziert – was bedeutet, dass es herausruft.

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Gott ruft und beruft Menschen, auch heute. Mache uns sehend, heiliger Gott und hörend, dass wir die Berufung erkennen und ihr folgen, die auf uns wartet in diesem Leben, heute an diesem Tag, in der Zeit, die kommt.

Amen

Pfarrer Lothar Bauer
Vorsitzender des Vorstandes der BruderhausDiakonie


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