Zeitleiste – Die BruderhausDiakonie

Die BruderhausDiakonie blickt auf eine lange Unternehmensgeschichte zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts schuf der Theologe Gustav Werner mit seiner Frau Albertine das Bruderhaus – mit zahlreichen Rettungsanstalten, Schulen und Fabriken. Auf Basis christlicher Nächstenliebe führen wir das Werk fort.

1809
Geschichte des Gründers

Gustav Werner wird am 12. März 1809 in Zwiefalten auf der Schwäbischen Alb geboren. Als ältestes von sieben Kindern wächst er in einer christlichen Familie auf. Ab 1827 studiert er in Tübingen Theologie, um Pfarrer zu werden.

Schon als junger Seminarist in Maulbronn engagiert sich Gustav Werner für Menschen in Not. Er pflegt in dieser Zeit einen kranken Freund, zudem spendet er Geld und Kleidung für die Opfer des verheerenden Hochwassers im Neckargebiet 1824.

1832
Von Straßburg nach Walddorf

Nach dem Studium arbeitet Gustav Werner als Privatlehrer in Straßburg. Dort lernt er das soziale Werk des Elsässer Pfarrers und Pädagogen Johann Friedrich Oberlin (1746 - 1826) kennen, das ihn tief beeindruckt.

Wie Oberlin macht sich Gustav Werner praktizierte Nächstenliebe und gelebtes Christentum zur lebenslangen Aufgabe. Er gründet zunächst als Vikar in Walddorf, später in Reutlingen und an weiteren Orten in Württemberg, Einrichtungen mit Bildungs- und Arbeitsangeboten für Kinder, Erwachsene und Menschen mit Behinderung.

1840
Der Umzug nach Reutlingen

Nächstenliebe praktizieren, Armen und Bedürftigen helfen, für dieses Anliegen möchte Vikar Werner Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen. Er predigt außerhalb seiner Walddorfer Gemeinde und gewinnt zunehmend Anhängerinnen und Anhänger.

Seine Predigttätigkeit führt zu Kritik: Die oberste Verwaltungsbehörde der evangelischen Kirche untersagt die religiösen Privatversammlungen. Gustav Werner gibt seine Stelle in Walddorf auf und zieht 1840 mit zehn Waisenkindern und zwei Mitarbeiterinnen nach Reutlingen.

Dort baut er nach und nach das Bruderhaus auf, eine soziale Organisation für Kinder, Erwachsene und für Menschen mit Behinderung. Die Hausgenossenschaft, ein familienähnlicher Zusammenschluss von Helferinnen und Helfern, unterstützt ihn dabei. 1841 heiratet Gustav Werner Albertine Zwissler, eine seiner treuesten Unterstützerinnen.

1850
Die erste christliche Fabrik

Mit dem Kauf einer stillgelegten Papierfabrik an der Reutlinger Echaz gründet Gustav Werner 1850 die erste christliche Fabrik. Er nimmt das Konzept der Inklusion vorweg, indem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

Rasch entwickeln sich entlang der Echaz Werkstätten mit Ausbildungs- und Arbeitsplätzen auch für Menschen mit Behinderung, soziale Einrichtungen und Schulen. Aus der Papierfabrik geht später die Maschinenfabrik zum Bruderhaus hervor, die hochwertige Papiermaschinen produziert. Die Papierherstellung erfolgt ab 1861 in der unternehmenseigenen Fabrik in Dettingen/Erms.

1857
Weltwirtschaftskrise wirkt sich aus

Die rasche Expansion bringt die Werner’schen Anstalten ab 1857 zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Eine weltweite Wirtschaftskrise sorgt zusätzlich für Kapitalmangel — es kommt zur Finanzkrise im Bruderhaus.

Dem 1866 gegründeten Aktienverein zum Bruderhaus gelingt es, die Einrichtungen langfristig zu retten. Gustav Werner und seine Frau Albertine können später alle Einrichtungen in die von ihnen gegründete Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus einbringen.

1863
Maybach lernt Daimler kennen

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise kommt der Ingenieur Gottlieb Daimler 1863 als Sanierer der Vereinigten Werkstätten ins Bruderhaus. Der damals 29-Jährige trifft auf Wilhelm Maybach, mit dem er bald eng zusammenarbeitet.

Maybach ist 1856 als zehnjähriger Waise im Reutlinger Bruderhaus aufgenommen worden. Gustav Werner ermöglicht ihm eine Ausbildung zum technischen Zeichner. Die Grundlagen für seine spätere Karriere als „König der Konstrukteure“ erwirbt Maybach in den 13 Jahren, die er im Bruderhaus verbringt. Gottlieb Daimler wechselt 1868 zur Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe, 1869 folgt ihm Wilhelm Maybach dorthin. Beide schreiben später Automobilgeschichte.

1881
Stiftung sichert Lebenswerk

Mit Hilfe zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer, Spenden und einem wachsenden Freundeskreis gelingt Gustav Werner der Aufbau einer vielbeachteten sozialen Organisation in Württemberg.

In 24 Zweiganstalten vom Schwarzwald bis zum Schwäbischen Wald leben und arbeiten rund 1800 Menschen. Um das Lebenswerk abzusichern, gründen Albertine und Gustav Werner 1881 die Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus, die heutige BruderhausDiakonie.

1885 eröffnet Gustav Werner in Reutlingen das Asyl für Alte, Kranke und Schwache des Bruderhauses, das Krankenhäusle. Hier lebt er bis zu seinem Tod am 2. August 1887. Sein Nachfolger wird der langjährige Leiter der Zweiganstalt Fluorn, Johannes Schneider. Er wird erster Vorstand der Gustav Werner Stiftung.

1905
Hofgut als Vorzeigeprojekt

Die Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus erwirbt im Jahr 1905 das Hofgut Gaisbühl vor den Toren der Stadt Reutlingen. Im Besitz der Stiftung entwickelt sich das weitläufige Anwesen zur landwirtschaftlichen Musteranstalt.

In den 1950er Jahren entsteht auf dem Gelände das Jugenddorf Gaisbühl mit Werkstätten, Lehrlingsheimen und einem Gemeinschaftshaus. Heute befinden sich hier und in Nachbarschaft das Verwaltungsgebäude der BruderhausDiakonie; des Weiteren Einrichtungen der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Jugendhilfe und Sozialpsychiatrie sowie des Bereichs Arbeit und berufliche Bildung.

1945
Zerstörung und Wiederaufbau

Fliegerangriffe der alliierten Streitkräfte zerstören Einrichtungen und Fabriken der Gustav Werner Stiftung in Reutlingen. Der Wiederaufbau der Gebäude dauert bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Es entstehen neue Altenhilfeeinrichtungen, ein Lehrlings- und Jugendwohnheim, beschützende Werkstätten, Jugendhilfeeinrichtungen und 1987 der Sozialpsychiatrische Dienst im Landkreis Reutlingen. 1952 wird in Bad Urach die Haus am Berg gGmbH, später Stiftung Haus am Berg, mit einer Altenhilfe- und Lehrlingseinrichtung gegründet.

Die Maschinenfabrik zum Bruderhaus zählt vor und nach 1945 zu den größten Arbeitgebern in Reutlingen und zu den weltweit führenden Herstellern von Papiermaschinen. 1981 stellen die Maschinenfabrik und die stiftungseigene Papierfabrik in Dettingen mit zunehmendem Wettbewerb die Produktion ein.

 

1990
Ausblick

Neue Werkstattarbeitsplätze für Menschen für Behinderung und psychischer Erkrankung entstehen. Assistenz- und Unterstützungsleistungen, Pflege und Beratung sowie Angebote zu Bildung, Erziehung und Arbeit werden zielgruppenorientiert ausgebaut.

2004 fusioniert die Gustav Werner Stiftung mit der Stiftung Haus am Berg. Die Organisation trägt seither den Namen BruderhausDiakonie Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg.

„Teil haben. Teil sein.“ ist das Leitmotiv für die Arbeit in der BruderhausDiakonie. Junge und alte Menschen, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen an Arbeit, Bildung und Heimat teilhaben und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen.

Kontakt

Susanne ZollingHistorisches ArchivBruderhausDiakonie
Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg

Ringelbachstraße 211
72762 Reutlingen

Telefon07121 278-221

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