Altenhilfe Bodensee-Oberschwaben

Auszubildende aus Vietnam bereichern Pflege-Teams

Das Foto zeigt eine Mitarbeiterin aus einer Pflegeeinrichtung der BruderhausDiakonie, die aus Vietnam kommt.
Thi My Lam Ngo möchte in Zukunft gern als Pflegedienstleitung oder im Sozialdienst arbeiten.

Pflegefachkräfte sind rar und Träger wie die BruderhausDiakonie rekrutieren potenzielle Nachwuchskräfte auch in Afrika und in Vietnam – mit Erfolg.

Thi My Lam Ngo hat große Pläne: „Wenn ich mit der Weiterbildung fertig bin, möchte ich gern als Pflegedienstleitung oder im Sozialdienst arbeiten“, sagt die 29-Jährige. In ihrer Heimat Vietnam studierte die junge Frau zunächst Betriebswirtschaft. Der besseren Berufsperspektiven in Deutschland wegen kam sie vor sieben Jahren mit einer weiteren Vietnamesin zur Altenhilfe Bodensee-Oberschwaben der BruderhausDiakonie. Den Kontakt vermittelte damals der Verein Vietduc.care. Die gemeinnützige Organisation mit Sitz in Baden-Württemberg unterstützt junge Menschen in Vietnam bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz in Deutschland. Im März 2018 begann Thi My Lam Ngos dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft im Seniorenzentrum Gustav-Werner-Stift in Friedrichshafen. Im Anschluss absolvierte sie eine sechsmonatige Weiterbildung zur Praxisanleiterin. Derzeit macht sie eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung zur Fachwirtin Führung und Organisation in Ravensburg.

„Die Auszubildenden sind motiviert und wissbegierig"

Als Praxisanleiterin ist Thi My Lam Ngo Ansprechpartnerin für die Auszubildenden der Altenhilfe Bodensee-Oberschwaben und begleitet sie die ganze Ausbildung über. Viele Azubis stammen aus afrikanischen Ländern, 14 aus Vietnam, eine von ihnen ist die jüngere Schwester von Thi My Lam Ngo. Im September 2025 kommen weitere sechs junge Vietnamesinnen, die sich in Deutschland eine gute Ausbildung erhoffen, zur Altenhilfe Bodensee-Oberschwaben. Thi My Lam Ngo ist in Vietnam gut vernetzt und vermittelt regelmäßig junge Menschen mit entsprechendem Deutschniveau an die BruderhausDiakonie. „Wir haben mit Auszubildenden aus dem Ausland sehr gute Erfahrungen gemacht“, betont Tobias Günther, Fachbereichsleitung Altenhilfe in der Region Bodensee-Oberschwaben. Die jungen Nachwuchskräfte seien motiviert, wissbegierig, strukturiert und zeigten eine respektvolle Haltung den älteren Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern gegenüber. „Sie sind eine echte Bereicherung für unsere Teams“, lobt Günther.  

80 Prozent Auszubildende mit Migrationshintergrund 

Bereits vor über zehn Jahren hat die Altenhilfe Bodensee-Oberschwaben mit der Rekrutierung potenzieller Pflege-Azubis im Ausland begonnen. „Es gibt viel zu wenig junge Menschen in Deutschland, die sich für einen Pflegeberuf interessieren“, weiß Tobias Günther. Inzwischen haben etwa 80 Prozent der Auszubildenden einen Migrationshintergrund. „Das sind so tolle junge Menschen“, sagt Günther, „es macht einfach Freude, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Um ihnen das Einleben zu erleichtern, lassen sich er und sein Team einiges einfallen. „Wir haben Wohnungen angemietet, die wir den Azubis zur Verfügung stellen und unterstützen sie bei der Integration.“ Zum Beispiel, indem Kontakte zu örtlichen Vereinen angebahnt und Azubi-Treffen organisiert werden. Um für die zukünftigen Fachkräfte auch beruflich attraktiv zu bleiben, bietet die BruderhausDiakonie nach der Ausbildung Weiterqualifizierungen an und unterstützt bei den Kosten.

Unterstützung von Kolleginnen, Kollegen und Lehrkräften

„Für mich war es eine gute Entscheidung, nach Deutschland zu kommen“, betont Thi My Lam Ngo. Sie habe während der Ausbildung viel Unterstützung von Kolleginnen, Kollegen und Lehrkräften erhalten und viele enge Beziehungen geknüpft. Zudem habe sie vor sechs Jahren ihren Freund kennengelernt, der auch Altenpfleger bei der BruderhausDiakonie ist. „Das erste Ausbildungsjahr war schwer, weil ich noch nicht so gut Deutsch konnte“, erinnert sich die Pflegefachkraft. Zwar hatte sie in Vietnam das Sprachzertifikat B1 erworben und besuchte in Ravensburg darauf aufbauende Deutschkurse, doch fehlte ihr die praktische Anwendung. „Ich habe intensiv Deutsch gelernt. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr konnte ich mich schon besser verständigen.“

„Mit guten Sprachkenntnissen kann man alles schaffen“

Eine Herausforderung war für Thi My Lam Ngo aber nicht nur die deutsche Sprache. „Ich musste mich an die neue Kultur gewöhnen, an das Wetter – und das Essen. „In Vietnam essen wir täglich Reis, in Deutschland isst man Brot“, beschreibt sie unterschiedliche Gewohnheiten. Und das Wetter? „In Vietnam gibt es keinen Schnee, und es ist nie kälter als zehn Grad.“ Dennoch ist die Region Bodensee-Oberschwaben für sie zur zweiten Heimat geworden. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, versichert die junge Frau. Um kein Heimweh aufkommen zu lassen, telefoniert sie fast täglich mit ihrer Familie in Südostasien. „Und ich reise regelmäßig mit meinem Freund nach Vietnam.“ Thi My Lam Ngo sieht ihre Zukunft in Deutschland beziehungsweise im Pflegebereich – in leitender Funktion. „Meine Stärke ist die Organisation“, sagt sie selbstbewusst. Was sie anderen Zugewanderten empfiehlt? „Viel Deutsch sprechen und sich Unterstützung suchen. Mit guten Sprachkenntnissen kann man alles schaffen.“

Erfahren Sie mehr über das Pflegeheim und Seniorenzentrum Gustav-Werner-Stift Friedrichshafen.

Informationen zum Artikel:

In loser Folge stellen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BruderhausDiakonie vor, die nach Deutschland zugewandert sind oder einen Migrationshintergrund haben. Sie sind ermutigende Beispiele, die zeigen sollen, wie vielfältig berufliche Wege in der BruderhausDiakonie für diesen Personenkreis aussehen können.