Ausbildungsverbund

Junge Menschen kämpfen sich ins Arbeitsleben

Jasmin hat in der Fahrradwerkstatt der BruderhausDiakonie in Tübingen ihren Platz gefunden.

Im Ausbildungsverbund der BruderhausDiakonie können junge Menschen mit Förderbedarf eine Ausbildung absolvieren und neue Perspektiven gewinnen.

Manchmal braucht es eine zweite Chance – gerade für junge Menschen, die auf ihrem Weg ins Berufsleben vor besonderen Herausforderungen stehen. Ein Beispiel dafür ist Jasmin. Nach einer schwierigen Zeit ohne festen Wohnsitz fand sie in der Fahrradwerkstatt Radstall der BruderhausDiakonie in Tübingen nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch neue Zuversicht. Heute macht ihr die Arbeit Freude, sie hat wieder ein eigenes Zuhause und konnte im vergangenen Jahr ihre Ausbildung beginnen. Sie ist auf einem guten Weg.

In der Jugend falsche Entscheidungen getroffen

Über die Vergangenheit spricht sie offen. „Wenn ich an früher zurückdenke, dann war das schon eine sehr schwierige Zeit für mich. Ich habe acht Jahre in einer Notunterkunft gelebt. Da hat man nicht viel Privatsphäre, und es ist einfach nicht so schön“, berichtet Jasmin. Nach dem Schulabschluss hatte sie eine Ausbildung zur Metzgerin begonnen. Am Anfang gefiel ihr die Arbeit. Besonders der Kontakt zu den Kundinnen und Kunden war für sie bereichernd. „Mir hat das eigentlich sehr viel Spaß gemacht, mit den Kunden zu sprechen und sie zu beraten. Ich war auch sehr gut in meinem Beruf. Ich war die erste Verkäuferin und habe eine Umsatzbeteiligung bekommen“, erzählt Jasmin stolz. „Aber dann habe ich ein paar falsche Entscheidungen getroffen und bin umgezogen.“ Die Folge: Sie brach ihre Ausbildung im letzten Lehrjahr ab.

In der Fahrradwerkstatt die zweite Chance ergriffen

Nach dieser schwierigen Zeit änderte sich die Situation für Jasmin entscheidend, als das Jobcenter sie für ein vierwöchiges Praktikum an die Fahrradwerkstatt  in Tübingen vermittelte. „Ich habe mich sofort in die Fahrradwerkstatt verliebt“, erzählt Jasmin von ihrem ersten Eindruck. Und ergänzt: „Ich wollte meine Fehler von früher bereinigen. Und ich wollte auch einfach etwas ganz anderes machen, als davor. Es macht mir Spaß, Dinge zu reparieren und aus etwas Altem etwas Neues zu machen.“ In der Fahrradwerkstatt fühlt sie sich gut betreut, weil die Ausbildung in einem geschützten Rahmen stattfindet. „Es gibt viele ähnliche Geschichten, wie die von Jasmin, aber jede einzelne ist doch unterschiedlich“, berichtet Thomas Haas, der die Fahrradwerkstätten und die Radstation leitet. „Die individuelle Unterstützung ist enorm wichtig für unsere Auszubildenden. Die meisten unserer Auszubildenden sind zuvor in einem anderen Betrieb gescheitert. Nicht, weil es ihnen an Talent oder Motivation fehlt, sondern weil sie Hürden wie Sprachbarrieren, psychische Belastungen oder auch Suchtprobleme nicht alleine überwinden konnten. Ohne gezielte Unterstützung bedeutet das oft: keine Ausbildung, keine Perspektive, Arbeitslosigkeit. Hier setzen wir an.“

Positiv in die Zukunft schauen und sich weiterbilden

Die Bilanz der Ausbildung bestätigt, dass diese Art der Betreuung erfolgreich ist: Rund 80 Prozent der Absolventinnen und Absolventen im Ausbildungsverbund der BruderhausDiakonie finden einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Auch Jasmin ist zuversichtlich, dass es für sie nach der Ausbildung erfolgreich weitergeht. „Erst einmal will ich die Ausbildung gut bestehen. Und danach will ich mich vielleicht noch weiterbilden. Eventuell Mechatronikerin, aber das weiß ich noch nicht genau. Und später will ich vielleicht einmal einen Gnadenhof für Tiere, die keiner mehr haben will, eröffnen. Das ist mein Motto: Im Leben immer viel Gutes tun, dann kommt auch viel Gutes zurück.