Theatergruppe Buttenhausen

Die Weihnachtsbotschaft in einem Welcome-Center gefunden

Die inklusive Theatergruppe einzigARTig setzt sich im Weihnachtsstück mit dem Thema Trauer auseinander.

Mit ihrem Weihnachts-Theaterstück begab sich die inklusive Theatergruppe einzigARTig auf die Suche nach einer Superkraft und fand sie in einem kleinen Kind.

Weihnachten – das Fest der Liebe. Doch wie Weihnachten feiern, wenn der geliebte Mensch nicht mehr auf Erden ist? In dem Stück „Kim und Emma suchen eine Superkraft“ stellt sich den beiden Schwestern diese Frage, nachdem ihre Großmutter am 1. Advent gestorben ist.

Angelika Janssen, Leiterin des Theater- und Lyrikateliers im Living Museum Alb der BruderhausDiakonie in Buttenhausen, hat das gleichnamige Buch von Susanne Niemeyer zum Theaterstück umgeschrieben. Als sie den Mitgliedern der Theatergruppe einzigARTig das Skript vorstellte, waren diese sich sicher: „Das wollen wir spielen“, erzählt die Theaterpädagogin. Witz und Zeitgeist des Stücks überzeugten. Dafür nahmen die Laienschauspielerinnen und -spieler in Kauf, den Text sehr genau auswendig zu lernen, denn die Pointen müssen sitzen.  

Was hilft in der Trauer?

Angelika Janssen hatte das Buch geschenkt bekommen, die Geschichte hat sie sehr berührt. Die Mitglieder der Theatergruppe hätten auch schon viel aushalten müssen in Bezug auf das Thema Tod, erzählt sie. Seit 26 Jahren leitet die Theaterpädagogin die Gruppe. In dieser Zeit seien Eltern und auch Ensemblemitglieder gestorben. Jeder und jede muss mit Leid klarkommen. Was hilft in der Trauer?

Die Großmutter, die mit beiden Beinen im Leben stand, sagt auf dem Sterbebett zu ihren Enkelkindern: „Stärke ist eine Aufschneiderin. Ich schaffe es nicht einmal mehr, die Kaffeetasse zu heben. Such dir eine andere Superkraft.” Und so ziehen die beiden Mädchen los. Doch weder beim Pfarrer, der von Sündenvergebung spricht, noch bei einer Lebensberaterin, die Achtsamkeitsöle verkauft, finden sie die Superkraft, von der die Oma sprach.  

Die Superkraft im Kleinen erkennen

Bei einem Welcome-Center drückt eine Frau, die ganz viele Fragen beantworten muss, Kim ihr Baby in den Arm. Da hören die Schwestern Omas Stimme aus dem Himmel: „Fürchte dich nicht. Euch ist heute der Heiland geboren." Emma streichelt die winzige Hand des Babys. Noch mal Omas Stimme: „Das Kleine kann nichts, außer da sein.“ Da erkennen die Schwestern, dass Liebhaben eine Superkraft ist. Am Abend schreiben sie der Großmutter einen Brief: „Wir waren auch mal so klein, oder? Da hast du uns im Arm gehalten. Jetzt halten wir dich. In unserem Herzen. Wir haben dich lieb. Bis zum Himmel und zurück.“

Selbstbewusstsein und Resilienz entwickelt

Liebensfähig zu sein, sich selbst als Geschöpfe Gottes wahrzunehmen, ist für Angelika Janssen eine Botschaft des Stücks. Eine andere: Dass Jesus für das persönliche Leid da ist. Und Humor sei ganz wichtig. „Wir lachen auch ganz viel bei den Proben.“ Über die Jahre hat sie mit verfolgt, wie Mitglieder der Theatergruppe Selbstbewusstsein und Resilienz entwickelt haben, sich im Spiel ihrer Persönlichkeit und ihres Körpers viel bewusster geworden sind. „Was die für eine Stärke haben, da ist was gewachsen“, sagt sie und betont: „Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht seine Beeinträchtigung.“ Entscheidend sei, Freude am eigenen Tun zu haben.  

Nach der Aufführung, wenn der Applaus verklungen ist, sitzen die Ensemblemitglieder noch bei Punsch und Lebkuchen zusammen. „Das ist Tradition“, erzählt Angelika Janssen. Dazu gehört auch, Geschenke auszutauschen.