Ein Therapiehund ist Teil des Betreuerteams
Die Heilerziehungspflegerin Helga Stellbauer hat ihren Hund stets an ihrer Seite. Er begleitet sie auch zur Arbeit im Unterstützungszentrum in Wendlingen.
Wenn Helga Stellbauer zum Dienst im Unterstützungszentrum Wendlingen der BruderhausDiakonie kommt, ist Filou dabei. Der Irish Setter ist ein Therapiehund. „Für ihn ist das hier sein zweites Zuhause“, erzählt die Heilerziehungspflegerin. Aber Filou ist nicht einfach nur dabei, er ist ein Brückenbauer zu den Bewohnern in der Besonderen Wohnform Plus. Hier wohnen Menschen mit Behinderung, die einen erhöhten Unterstützungsbedarf haben.
Der Hund spiegelt das Verhalten
Der Hund begegnet ihnen ganz unvoreingenommen. Er lässt sich von ihnen streicheln, strahlt Ruhe aus. Manche Klienten können die Nähe zu Filou eher zulassen als die Nähe zu einem Menschen. Wenn ein Bewohner sehr aufgeregt sei, reagiere der Hund darauf, erzählt Helga Stellbauer. Über diese Reaktion könne dem Klienten sein Verhalten zurückgespiegelt werden. So kann es vorkommen, dass der Klient sich beruhigt, weil er Rücksicht auf den Hund nimmt. Helga Stellbauer „wollte schon immer einen Therapiehund“. Voraussetzung sei, dass der Hund Ruhe mitbringe, sich anfassen lasse und Lärm ertrage. In Filou hat sie einen Gefährten mit diesen Eigenschaften gefunden. Eine intensive Ausbildung machte ihn zum Therapiehund. Helga Stellbauer hat sich vor vielen Jahren für den Beruf der Heilerziehungspflegerin entschieden, weil sie „für Menschen da sein möchte“.
Gemeinsam die Einkaufsliste erstellen und einkaufen gehen
Die 62-Jährige findet Erfüllung darin, Klientinnen und Klienten zu aktivieren und zu fördern. Beispielsweise, wenn sie mit ihnen einkaufen geht. Gemeinsam wird die Einkaufsliste erstellt. Dann geht es los, immer in den gleichen Supermarkt. „Die Menschen kennen sich dort gut aus.“ Sie halte sich zurück, auch wenn das Einkaufen mal ein bisschen länger dauere. Die Klientinnen und Klienten suchen die Sachen von der Einkaufsliste, nehmen sie aus den Regalen und legen sie in den Einkaufswagen. Bei der Begleitung von Menschen mit Behinderung sei es wichtig, das zu unterstützen, was sie können. „Ich muss geduldig, aber auch konsequent und manchmal streng sein.“ Das Haus zu verlassen und in die Stadt zu gehen, wird im Unterstützungszentrum Wendlingen aktiv vorangetrieben. Zuvor werden Absprachen mit den Klientinnen und Klienten getroffen wie: „Die Gruppe darf nicht ungefragt verlassen werden.“ Wenn sich jemand nicht daran hält und deshalb zu einer Aktion zu spät kommt, müsse er aushalten, dass diese bereits vorbei ist und für ihn keine Extrarunde gedreht wird, erzählt Helga Stellbauer. Dabei könne er lernen, seine Grenzen Stück für Stück zu verschieben.
Unterstützung und Wertschätzung im Team
Arbeit mit Menschen, die in einer Besonderen Wohnform Plus leben, kann herausfordernd sein. „Die Verbindung zu ihnen ist intensiv“, sagt Helga Stellbauer und fügt hinzu: „Aber man liebt sie wirklich.“ Als Heilerziehungspflegerin gehe sie ein Stück des Lebenswegs mit ihnen. Sie fördere die Menschen, fordere aber auch etwas von ihnen. Da etliche Bewohner ihre Bedürfnisse nicht direkt äußern können, seien sie darauf angewiesen, dass ihre Bedürfnisse gesehen und erfüllt werden. „Als Heilerziehungspflegerin muss man empathisch sein und sich öffnen“, sagt Teamleitung Nilgün Baki. Die Beziehung zu den Klientinnen und Klienten werde aktiv gestaltet. „Dass Filou da ist, ist ein großes Plus.“ Helga Stellbauer arbeitete zuvor in einer sozialpsychiatrischen Wohngruppe und fragte sich vor dem Wechsel: „Kann und will ich das?“ Sie habe gelernt, sich darauf einzulassen. „Ich bin hier genau richtig, die Arbeit macht mir so viel Spaß“, sagt sie heute. Dazu trage auch die Wertschätzung im Team bei. Bei herausfordernden Situationen in der Wohngruppe sei immer eine Kollegin da. „Jeder unterstützt den anderen“, berichtet Helga Stellbauer. In der Wohngruppe mit sieben Klienten sind immer zwei Kolleginnen gleichzeitig im Dienst. Das UZ Wendlingen hat drei Wohngruppen für Menschen mit Behinderung und eine Tagesstruktur. Das Gebäude nutzt die BruderhausDiakonie gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde.