Fachtag Sozialpsychiatrie

Psychisch Erkrankte gemeindenah betreuen

Sieben Männer und Frauen stehen neben dem Schild St. Luzen vor dem Bildungshaus.
Expertinnen und Experten tauschten sich beim Fachtag in Hechingen aus.

Bei einem Fachtag der BruderhausDiakonie in Hechingen ging es darum, wie Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu Unterstützern von Erkrankten werden.

„Vom Glück in glücksfernen Zeiten – Verantwortung und Hoffnung in der Sozialpsychiatrie“ war der Fachtag im Bildungshaus St. Luzen überschrieben. Rund 110 Teilnehmende tauschten sich am 19. März 2026 in Hechingen zu Perspektiven für die Sozialpsychiatrie in herausfordernden Zeiten aus. Sie diskutierten, wie bei einem Anstieg von psychischen Erkrankungen und Belastungsstörungen und zugleich begrenzten finanziellen Mitteln eine fachliche Antwort aussehen kann. Georg Link, Sozial- und Rechtsdezernent Zollernalbkreis, nannte in seinem Grußwort die BruderhausDiakonie einen unverzichtbaren und verlässlichen Partner in der sozialpsychiatrischen Versorgung. Das Motto des Fachtags zeuge von „Mut, Tiefgang und einem feinen Gespür für die Themen der Zeit“. Bei der Unterstützung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung gehe es nicht nur darum, Krisen zu bewältigen, sondern um Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung.

Menschen mit psychischer Erfahrung werden zu Akteuren

In diesem Zusammenhang kommt der Qualifizierung von Genesungsbegleiterinnen und -begleitern eine besondere Bedeutung zu. Menschen mit eigener psychiatrischer Erfahrung werden mit dem Ziel ausgebildet, selbst Akteure in der Hilfeerbringung zu werden. Mit ihrem Wissen verfügen sie über eine Kompetenz, um Menschen mit psychischen Erkrankungen zu begleiten. Die BruderhausDiakonie hat in der Ausbildung und mit dem Einsatz von Genesungsbegleitern seit Jahren Erfahrungen gesammelt. Im neuesten Projekt „Brücke Partizipation“, das eine Kooperation der BruderhausDiakonie mit dem gemeinnützigen Verein EX-IN Schweiz ist, lassen sich seit Beginn dieses Jahres 20 Menschen zu Genesungsbegleiterinnen und -begleitern ausbilden. Nach der Qualifizierung unterstützen die Genesungsbegleiter psychisch erkrankte Menschen in Betreuungsangeboten oder Kliniken. 

Sozialen Netzwerken kommt große Bedeutung zu

„Betroffene einzubeziehen, war uns bei unseren Fachtagen immer wichtig“, berichtete Walter Riedel, Regionalleitung Freudenstadt, Tübingen, Zollernalb. Die Genesungsbegleiterinnen Heike Bader und Anna Kandel seien in der Vorbereitung dieses Fachtags von Anfang an dabei gewesen. In ihrem Workshop griffen sie das Thema „Was macht uns Hoffnung?“ auf. Walter Riedel sagte: Studien hätten gezeigt, dass professionelle Hilfe zwar wichtig sei, eine größere Bedeutung komme jedoch sozialen Netzwerken zu. „Es geht um die Erfahrung, für andere nützlich zu sein und gebraucht zu werden.“

Bürgerschaftliches Engagement fördern

Prof. Dr. Paul-Stefan Roß, Dekan Sozialwesen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Center for Advanced Studies, sprach über „Perspektiven für die Sozialpsychiatrie in herausfordernden Zeiten“. Er sieht den Schlüssel in einer gemeinsamen Daseinsvorsorge. Als Beispiel nannte er Gemeindepsychiatrische Verbünde, in denen Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammenwirkten. Bei der wohnortnahen Unterstützung sowie der Prävention kommt der Quartiersentwicklung eine große Bedeutung zu. Hier gehe es darum, bürgerschaftliches Engagement zu fördern und das Quartier als Ganzes in den Blick zu nehmen. 

Die Organisatoren der BruderhausDiakonie veranstalteten den Fachtag mit dem Ziel, dass von diesem ein Impuls ausgeht, Menschen mit psychischen Erkrankungen verständnisvoller und gemeindenah zu betreuen.

Vorträge Referenten

Vortrag Dr. Tobias Staib, Vorstandsvorsitzender und Fachlicher Vorstand BruderhausDiakonie

Vortrag Prof. Dr. Paul-Stefan Roß, Dekan Sozialwesen, Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn

Vortrag Achim Dochat, ehemaliger Leiter Geschäftsfeld Sozialpsychiatrie BruderhausDiakonie