Interkulturelle Woche

In Begegnungen gegenseitigen Respekt entwickeln

Das Foto zeigt Jugendliche mit Migrationshintergrund, die gemeinsam kochen.
Jugendliche kochen gemeinsam.

Die Interkulturelle Woche setzt ein Zeichen für Vielfalt und Integration. Der Fachdienst Jugend Bildung Migration berät und unterstützt Zugewanderte.

Integrationsarbeit verläuft im Stillen, gehört aber zu den großen Aufgaben des sozialen Miteinanders. Die bundesweite Interkulturelle Woche vom 27. September bis zum 4. Oktober 2026 legt den Fokus auf Vielfalt, Integration, Solidarität und Demokratie. Integration von jungen Menschen aus anderen Kulturen ist ein langer Prozess, der nur Hand in Hand mit Schulen, Jugendhäusern, Beratungsstellen, Arbeitgebern, Ämtern und Behörden gelingt. „Eine individuelle Beratung und professionelle Begleitung sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Integration“, sagt Amina Ramadan vom Fachdienst Jugend, Bildung, Migration der BruderhausDiakonie. Bei Workshops, Projekten, Beratungsterminen und Festen werden Toleranz, Empathie, Geduld und Respekt eingeübt. „Vernetzen, Verzahnen und Verflechten mit lokalen Einrichtungen“, so Amina Ramadan, sorgen dafür, dass Begegnungen gelingen. 

Fachdienst Jugend Bildung Migration unterstützt beim Einstieg ins Berufsleben  

Sie erzählt von einem jungen Mann aus Syrien. Er hat in Syrien Abitur gemacht, aber kein Zeugnis aus dem Krieg mitgebracht. In Deutschland wollte er nicht noch einmal Mathe auf Hauptschul-Niveau pauken, sondern so schnell wie möglich Deutsch lernen. Die Sozialpädagogin vermittelte ihm einen Platz im Integrationskurs beim Fachdienst Jugend, Bildung, Migration in Deizisau. Seit September 2025 macht er eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer bei den Zieglerschen in Wendlingen. Ab September 2027 beginnt er eine Ausbildung zum Pflegefachmann. “Die Zusage für einen Ausbildungsplatz hat ihm ermöglicht, seine Aufenthaltsgestattung in einen sicheren Aufenthalt nach §16g AufenthG umzuwandeln. Somit ist es eine große Erfolgsgeschichte”, freut sich Amina Ramadan. Sie hat selbst syrische Wurzeln. Ihre Erfahrungen helfen ihr als Sprach- und Kulturvermittlerin

Programm Respect Coaches fördert Selbstbewusstsein und vermittelt demokratische Werte

Einmal pro Woche berät sie zugewanderte Jugendliche im Jugendbüro GO!ES der Stadt Nürtingen. Sie hilft bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder bei der Anerkennung von Zeugnissen. Bewerbung schreiben, Formulare und Verträge ausfüllen, sich für eine Hospitation anmelden und Vorstellungsgespräche führen stellen eine hohe Hürde dar für jemanden, der neu in Deutschland ist. Viele dieser jungen Menschen lernt sie bei Projekten in Schulen kennen, mit denen der Fachdienst Jugend, Bildung, Migration Nürtingen kooperiert. Zusammen mit Lehrkräften assistiert sie dort als Sprachlehrerin, veranstaltet Workshops, Exkursionen, Lesungen und Antirassismus-Trainings. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ivana Serka organisiert sie Projekte wie das Bundesprogramm Respekt-Coaches, in dem Schülerinnen und Schüler lernen, unterschiedlicheMeinungen zu akzeptieren. Ein präventives Angebot, das Selbstbewusstsein fördert, demokratische Wertevermittelt und Extremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeitentgegenwirkt. Das Programm Respekt Coaches läuft nach acht erfolgreichen Jahre Ende 2026 aus. 

Sprach- und Integrationskurse helfen bei der Integration und dem Berufseinstieg 

Der Fachdienst Jugend Bildung Migration bietet in Nürtingen und Kirchheim unter Teck Sprach- und Integrationskurse für Erwachsene an. Ein besonderes Angebot sind die Integrationskurse für Frauen mit Kinderbetreuung. Diese Kurse werden durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat und durch die Europäische Union gefördert. „Leider gibt es bei Sprachkursen seit einigen Jahren Einsparungen von Seiten des Bundes. Dies betrifft nicht nur die Anzahl der Plätze, sondern auch die Vergütung der Teilnehmenden und die Fahrtkosten“, erklärt Patrick Maser, Projektleitung beim Fachdienst Jugend Bildung Migration. Der Jugendmigrationsdienst der BruderhausDiakonie organisiert mit einer ehrenamtlich tätigen pensionierten Lehrerin regelmäßig Deutsch-Nachhilfe für Schülerinnen und Schülern aus VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen), denn ein gutes Sprachniveau ist die Voraussetzung für einen gelingenden Berufseinstieg. 

Jugendliche kochen Gerichte aus ihrer Heimat und verkaufen deutsch-syrisches Soulfood

Die Begleitung der 12- bis 27-Jährigen auf ihrem Integrations- und Berufsweg ist aber nur ein Teil der Arbeit des Jugendmigrationsdienstes. Bei lokalen Festen engagieren sich Jugendliche, kochen Gerichte aus ihren Heimatländern und verkaufen deutsch-syrisches Soulfood. Nächstes Jahr ist ein Mittagstisch in einem Jugendhaus geplant. Im Rahmen eines von Aktion Mensch geförderten Programms wird 2027 ein mobiler “WafFal-Stand” gebaut - Waf steht für Waffeln, Fal für Falafel. „Ideen für Projekte, wie gelungene Teilhabe aussehen kann, haben wir genug“, sagt Amina Ramadan, „allein die Finanzierung ist oft unsicher", fügt sie hinzu. Viele Projekte sind nicht regelfinanziert, sondern müssen mittels Projektgeldern gestemmt werden. „Wenn ich sehe, wie glücklich und selbstbewusst die Jugendlichen sind, die ihren Weg gefunden haben, erlebe ich meine Arbeit als sehr sinnvollen Beitrag für unsere Gesellschaft“, sagt Amina Ramadan. 
Marianne Mösle/Ulrike Krüger 

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