KI beschleunigt Dokumentation im Pflegealltag
Die BruderhausDiakonie geht neue Wege in der Pflegedokumentation. Pflegekräfte sprechen Daten direkt ins Handy. So bleibt mehr Zeit mit den Pflegebedürftigen.
Pflegekräfte in sieben Seniorenzentren der BruderhausDiakonie testeten drei Monate lang den digitalen Sprachassistenten Voize, mit dem sich Gesundheitswerte mit dem Handy direkt beim Pflegebedürftigen dokumentieren lassen. Voize spricht sich wie das englische Wort voice für Stimme. Zu den Seniorenzentren der Pilotphase gehören das Seniorenzentren am Markwasen, das Gustav-Werner-Stift in Walddorfhäslach sowie das Gerontopsychiatrische Pflegeheim Königshöhe in Dettingen/Erms. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass vorgesehen ist, die Dokumentation mit der Voize-App ab kommendem Jahr in allen Altenhilfeangeboten im stationären, teilstationären und ambulanten Bereich einzuführen.
App hat den Pflegealltag deutlich vereinfacht
„Die Voize-App hat den Pflegealltag deutlich vereinfacht und entlastet das Personal in vielen Bereichen“, berichtet Nedjeljko Tosic, Fachbereichsleiter Altenhilfe Region Reutlingen der BruderhausDiakonie. „Vitalwerte können zeitnah und direkt beim Pflegebedürftigen dokumentiert werden.“ Zuvor notierten Pflegekräfte Werte häufig auf Zetteln, um sie zu einem späteren Zeitpunkt am PC in das System einzupflegen. „Pflegeberichte lassen sich per Spracheingabe schneller und umfassender erstellen, Sprechen geht eben oft schneller als Tippen“, sagt Tosic. Bei Wunddokumentationen entfällt das Versenden von Fotos, da alles direkt in die App eingelesen werden kann.
Daten werden lokal auf dem Handy verarbeitet
„Bei Schichtübergaben sorgt die App dafür, dass Informationen vollständig weitergegeben werden.“ Im Bereich Medikation habe die App ebenfalls Vorteile. „Bedarfsmedikationen lassen sich schnell nachschlagen und zügiger verabreichen.“ Angehörigen könne direkt Auskunft über die Medikamente ihres Familienmitglieds gegeben werden. Bei Aufnahmen ins Seniorenzentrum kann das Gespräch aufgezeichnet werden, sodass sich die Pflegekräfte voll auf den neuen Bewohner oder die neue Bewohnerin konzentrieren können. „Diese Erleichterungen haben den Arbeitstag entspannter und noch strukturierter gemacht“, berichtet Tosic. „Ein echter Gewinn für die Fachkräfte.“ Durch lokale KI-Sprachverarbeitung direkt auf dem Handy werde höchste Datensicherheit garantiert, erklärt Arthur Schimanski, Referent Altenhilfe der BruderhausDiakonie. Er hat die Pilotphase begleitet.
KI lernt Gesprochenes richtig zu interpretieren
Der digitale Sprachassistent Voize nutzt Künstliche Intelligenz (KI) für die Spracherkennung und lernt so Dialekte und Akzente richtig zu interpretieren. Die aufgesprochenen Informationen werden im Anschluss in das Dokumentationssystem der Altenpflege übertragen und synchronisiert. Die KI erkennt, dass es sich beispielsweise um Blutdruckwerte oder Medikamentengaben handelt und ordnet sie entsprechend dem Dokumentationstyp zu. Zudem formuliert sie aus dem Eingesprochenen korrekte und vollständige Sätze. Dadurch wird die Dokumentationsqualität verbessert.
Mehr Zeit für Seniorinnen und Senioren
„Die Voize-App war vielfältig im Einsatz“, berichtet Arthur Schimanski. „Pflegekräfte, die damit gearbeitet haben, möchten auf diese Erleichterung der Dokumentation nicht mehr verzichten. Die gewonnene Zeit können sie direkt für die Seniorinnen und Senioren einsetzen.“