Region Ulm/Ostwürttemberg

Mitarbeitende berichten, wie Integration gelingen kann

Das Foto zeigt Mitarbeitende der BruderhausDiakonie aus Benin und Kenia.
Justin Natabou macht eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger, Loreen Sauer arbeitet im Kinderhaus Villa Marie.

Menschen, die nach Deutschland immigrieren, tun das aus unterschiedlichsten Gründen. Mitarbeitende der BruderhausDiakonie berichten von ihren Erfahrungen.

Justin Natabou hat sehr genaue Vorstellungen, was zu einer gelingenden Integration gehört: „Offen bleiben, sich trauen, auf Menschen zuzugehen, Deutsch lernen bis zum B2-Niveau, in einen Sportverein gehen und regelmäßig Leute treffen“, empfiehlt der 28-Jährige anderen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland Fuß fassen wollen. Justin Natabou hat seine Empfehlungen alle selbst beherzigt, mehr noch: Der junge Mann aus dem Benin, einem Staat in Westafrika, hat es sogar bis zum Sprachniveau C1 geschafft. Wobei er anderen Migranten gegenüber im Vorteil ist, hat er doch in seiner Heimat Interkulturelle Germanistik studiert und parallel als Reiseleiter für deutsche Touristen gearbeitet. Heute lebt er in Ulm und absolviert eine dreijährige Ausbildung zum Heilerziehungspfleger im Unterstützungszentrum Langenau der BruderhausDiakonie.  

Als Ausbildungsbotschafter informiert er in Schulen 

Eigentlich, erzählt Justin Natabou, habe er Soziale Arbeit an der Dualen Hochschule Stuttgart studieren wollen. „Aber damals hat mir noch der nötige Sprachnachweis gefehlt.“ Wie er auf Heilerziehungspflege kam? „Ich habe vorher ein FSJ in einer integrativen Wohngruppe der BruderhausDiakonie in Reutlingen gemacht und Erfahrung mit Menschen mit Behinderung gesammelt.“ Inzwischen ist er im dritten Ausbildungsjahr in Langenau und wirkt sehr zufrieden. Die Arbeit mache ihm Freude, die Atmosphäre sei gut, er bekomme viel Unterstützung und Wertschätzung. Als Ausbildungsbotschafter informiert er regelmäßig Schülerinnen und Schüler über seinen Beruf.

Mehr Beratungsangebote und mehr Toleranz erwünscht 

Als Justin Natabou vor vier Jahren nach Deutschland kam, war vieles fremd für ihn: „Die Menschen, die Kultur, das Wetter“, erzählt er schmunzelnd. Er belegte einen Deutschkurs, meldete sich im Fitnessstudio an und knüpfte Kontakte. Neben seinem FSJ war er beim Diakonischen Werk Stuttgart in der Beratung von ausländischen Freiwilligen tätig. „Das alles hat mir sehr bei der Integration geholfen“, betont Natabou. Und was könnte besser sein? Der 28-Jährige wünscht sich „mehr Beratungsangebote“ und von den Mitarbeitern der Behörden „mehr Geduld, mehr Freundlichkeit und mehr Toleranz uns gegenüber“. Ob er sich auch schon diskriminiert gefühlt habe? Natabou nickt. „In der Bahn hat ein Mann gesagt, ich soll leiser telefonieren. Das sei sein Land.“ 

Sie vermisst in Deutschland vorbehaltlose Freundlichkeit 

„Es gibt Menschen, die Probleme mit meiner Hautfarbe haben“, berichtet Loreen Sauer, die aus Kenia stammt. Die meisten äußerten das nicht direkt. „Aber ich spüre das.“ Die 38-Jährige ist mit einem Deutschen verheiratet, lebt mit ihm und ihrer Tochter in der Nähe von Ulm und besitzt seit ein paar Jahren einen deutschen Pass. Mit der neuen Heimat habe sie sich anfangs schwergetan, was nicht nur an der Sprache und am Wetter lag. „Wir in Kenia sind immer freundlich zu Menschen, die zu uns kommen, egal welche Hautfarbe sie haben“, sagt Loreen Sauer. In Deutschland habe sie diese vorbehaltlose Freundlichkeit anfangs sehr vermisst. Inzwischen hat sie einen kleinen Freundeskreis aufgebaut und arbeitet im Kinderhaus Villa Marie, einer Kindertagesstätte der BruderhausDiakonie in Göppingen. Sie hat ein gutes Verhältnis zu den Kolleginnen und den Kita-Eltern, zu ihren Nachbarn und ihren drei Schwestern, die in Deutschland leben. „Das hat mir beim Einleben geholfen.“

„Wir sollten in unserem Beruf weiterarbeiten können“ 

In Kenia hat sich Loreen Sauer als Sozialarbeiterin beim Roten Kreuz für Arme und Waisenkinder engagiert. „Meine Papiere wurden aber hier nicht anerkannt“, bedauert die 38-Jährige. Da ein Studium der Sozialen Arbeit für sie nicht in Frage kam, wählte sie die zweite Option: ein Jahr Arbeit in einer Kindertagesstätte mit anschließender Prüfung zur Erzieherin. Was ihrer Meinung nach besser sein könnte bei der Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte? „Wir sollten die Chance bekommen, in unserem Beruf weiterzuarbeiten“, findet Loreen Sauer. „So könnte man auch mehr Fachkräfte gewinnen.“

Erfahren Sie mehr über das Unterstützungszentrum Langenau.

Erfahren Sie mehr über das Kinderhaus Villa Marie in Göppingen.

Informationen zum Artikel:

In loser Folge stellen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BruderhausDiakonie vor, die nach Deutschland zugewandert sind oder einen Migrationshintergrund haben. Sie sind ermutigende Beispiele, die zeigen sollen, wie vielfältig berufliche Wege in der BruderhausDiakonie für diesen Personenkreis aussehen können.