Präventionsangebote und Arbeitskräfte sichern, Wohnraum schaffen
Der BruderhausDiakonie-Vorstand engagiert sich vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit diversen Forderungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf.
In der Reihe „Thomas trifft“ sprach Dr. Tobias Staib, Vorstandsvorsitzender und Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie, mit dem Landtagsageordneten Thomas Poreski, Bündnis 90/Die Grünen. Poreski, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, ist Sprecher für Bildung und Inklusion. Staib betonte im Gespräch am 19. Januar 2026, ein großes Anliegen sei zu verdeutlichen, „dass wir in Baden-Württemberg auf das Bundesteilhabegesetz stolz sein können”. Die Dauerkritik am BTHG, wie das Bundesgesetz in Kurzform heißt, bereite ihm Sorge. Nach dem Gesetz haben Klientinnen und Klienten Anspruch auf individuelle, also personenzentrierte, Leistungen. Die Kritik an den Kosten, so Staib, generiere viel Frust in der Öffentlichkeit. „Das ist ungut, vor allem, weil es auf dem Rücken der Menschen mit Behinderung ausgetragen wird.“
Es gibt mehr Menschen mit hohem Hilfebedarf
Thomas Poreski und Dr. Tobias Staib diskutierten die von Kritikern immer wieder angeführten Mehrkosten, die das BTHG verursache. Die Versorgung von Menschen mit hohem Hilfebedarf sei teurer geworden, aber es gebe keine Kostenexplosion, sagte Dr. Tobias Staib. Nur 25 Prozent der Kostensteigerung gehe auf Leistungen für Klientinnen und Klienten zurück, bestätigte Poreski, das habe man geprüft. Den viel größeren Teil der Kostensteigerung verursache der erfolgte Aufbau von Verwaltungsstrukturen, waren sich die Gesprächspartner einig. Dr. Tobias Staib plädierte für eine rasche Digitalisierung im Bereich der Verwaltung, indem eine einheitliche digitale Struktur für alle Beteiligten zur Verfügung gestellt wird, insbesondere um Kosten und Ausgaben digital abzubilden. Wichtig sei, so Thomas Poreski, in den Dialog zu gehen, Politik und Wohlfahrtsverbände sollten sich austauschen. Entbürokratisierung funktioniere dann gut, wenn sie transparent und partizipativ vollzogen werde.
Im Bereich Pflege sind vielfältige Angebote wichtig
Dr. Tobias Staib beschrieb die Zukunft der Pflege. Der Bedarf an Pflege werde explodieren. Er forderte, Arbeitskräfte zu sichern und den Zugang für Menschen aus dem Ausland in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. „Wir machen gute Erfahrungen mit unseren Teams, die in vielen Einrichtungen aus Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Nationalitäten bestehen.“ Eine gute, nachhaltige Pflegestruktur müsse geschaffen werden, in der professionelle und nicht professionelle Strukturen zusammenwirken. Ein breites Angebot mit Tagespflege und Pflege-Wohngemeinschaften sei vorzuhalten. Thomas Poreski bekräftigte, bürgerschaftliche Strukturen “leben zu lassen“ und verschiedene Wohnformen und Unterstützungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.
Bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen
Der Vorstand der BruderhausDiakonie hatte die Forderungen an die Politik Mitgliedern des Landtags per Brief geschickt, so auch dem Abgeordneten Thomas Poreski. Die BruderhausDiakonie fordert darin unter anderem bezahlbaren Wohnraum, der für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Unterstützungsbedarf außerhalb von Institutionen unerlässlich ist. Auch Mitarbeitende in sozialen Berufen benötigen dringend bezahlbaren Wohnraum.
Prävention stärken
Eine weitere Forderung ist, Präventionsangebote beizubehalten und sie nicht einzusparen. Denn wenn Bildungsgutscheine, Bildungsangebote, Schulsozialarbeit, Tagesstätten, Förderung von Integration entfallen, dann fehlen Hilfsangebote, die präventiv dafür sorgen, dass weniger Menschen ins eigentliche Hilfesystem rutschen. Prävention spare sowohl Geld als auch Personal.