Professionelles Vertrauen erleichtert die Zusammenarbeit
Beim Fachtag Vertrauenskultur in der sozialen Leistungserbringung der BruderhausDiakonie tauschten sich Teilnehmende aus Politik und Diakonie aus.
Zum Fachtag mit Impulsen aus Wissenschaft, Praxis und Politik waren am 28. November 2025 rund 60 Expertinnen und Experten ins Bertha’s Place in Leinfelden-Echterdingen gekommen. In einem Punkt waren sich Vertreterinnen und Vertreter von Land, Landkreis und Kommune sowie Diakonie einig: „Die Grundlage für jede Beziehung ist Vertrauen.“ Zwischen Leistungsträgern wie Land und Landkreis sowie Leistungserbringern wie der BruderhausDiakonie sind die Beziehungen komplex und von rechtlichen Vorgaben geprägt.
Vertrauen statt Detailregulierung
Die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit ist professionelles Vertrauen: eine Balance aus Vertrauen und angemessenen Prüfungen. „Wir müssen uns exakt darauf verständigen, was mit welcher Qualität und Konsequenz sichergestellt werden muss“, sagte Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha zu den Standards in Pflege und Hilfeleistungen. Zugleich sei er davon überzeugt, dass „wir mit 70 Prozent weniger Detailregulierungen auskommen“. Er sprach sich für eine Selbstkontrolle der Leistungserbringer nach definierten Spielregeln aus.
Digitalisierung spart Zeit
Der Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, sieht in den hohen bürokratischen Auflagen den Grund dafür, dass Beratung und Pflege nicht schnell genug bei den Hilfe- und Pflegebedürftigen ankommen. „Wir brauchen eine neue Vertrauenskultur“, sagte er. Die Dokumentation dürfe nicht mehr so viel Zeit in Anspruch nehmen. Mit Digitalisierung könne Zeit eingespart werden, die den Menschen zugutekomme. Prüfungen von Leistungen hält er weiterhin für nötig, sie gäben auch den Einrichtungen Sicherheit, dass ihre Strukturen zu den vereinbarten Zielen führten. Er sprach sich wie Minister Lucha dafür aus, nicht Strukturvorgaben mit zahlreichen Details, sondern Ergebnisse zu prüfen.
Dr. Tobias Staib, Vorstandsvorsitzender und Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie, sieht Organisationen in der Pflicht mit geschenktem Vertrauen verantwortungsvoll umzugehen. „Organisationen und Einrichtungen gewinnen Vertrauen über ihre Mitglieder und Mitarbeiter“, sagte er.
Gute Ausbildung und Coaching helfen
Wie kann Sicherheit bei weniger Kontrollen und mehr Vertrauen gewährleistet werden? Darauf gab die Vorstandsvorsitzende Diakonisches Werk Württemberg, Annette Noller, eine Antwort: Mitarbeitende gut ausbilden und dadurch stark machen sowie Coaching und Supervision anbieten. Es müsse eine Vertrauenskultur etabliert werden, die allen Beteiligten Sicherheit gebe.
In Workshops haben sich die Fachtag-Teilnehmenden über Vertrauen in verschiedenen professionellen Beziehungsebenen ausgetauscht. Aus der Praxis berichtete unter anderem Simone Windbühler, Fachbereichsleitung Arbeit und berufliche Bildung Sozialpsychiatrie der BruderhausDiakonie, zusammen mit Stefan Goller-Martin, Leiter Amt für Bildung, Soziales und Sport der Stadt Ravensburg, über die kooperative Quartiersentwicklung der Ravensburger Oststadt. Garanten fürs Gelingen seien Klarheit in der Kommunikation und Offenheit für die Anliegen aller Beteiligten, sagte der Amtsleiter. “Wir vertrauen den Mitarbeitenden der BruderhausDiakonie.”
Prof. Dr. Johannes Eurich, Direktor Diakoniewissenschaftliches Institut Universität Heidelberg, moderierte den Fachtag.