Seniorenzentrum Am Markwasen Reutlingen

100-Jährige Seniorin lernt auch heute noch fleißig Englisch

Irmgard Rothenbacher lässt sich von Gabriele Blum-Eisenhardt die blühende Umgebung rund um das Pflegeheim zeigen.

Zufrieden, dankbar und vielseitig interessiert: Irmgard Rothenbacher, Bewohnerin des Seniorenzentrums Am Markwasen in Reutlingen, ist 100 Jahre alt geworden.

Die japanische Kirsche neben dem Eingang zum Seniorenzentrum Am Markwasen steht in voller Blüte. „So schön hat der Baum noch nie geblüht“, schwärmt Irmgard Rothenbacher und kann sich an dem rosafarbenen Blütenmeer nicht sattsehen. Die Seniorin, die erst vor Kurzem 100 Jahre alt wurde, strahlt Lebensfreude, Zufriedenheit und Warmherzigkeit aus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so alt werden darf“, sagt sie lächelnd. Auf die Frage, worauf sie das zurückführe, muss sie nicht lange überlegen: „Ich habe ziemlich natürlich gelebt, bin immer früh aufgestanden und viel spazieren gegangen.“ Bis zu ihrem 85. Lebensjahr habe sie regelmäßig am Kieser-Training, einem gerätegestützten Krafttraining, teilgenommen. Nachdem sie über 20 Jahre lang im Betreuten Wohnen der BruderhausDiakonie verbracht hatte, zog sie vor vier Jahren in das Seniorenzentrum Am Markwasen in Reutlingen um. 

Feier mit Schwarzwälder Kirschtorte und Psalm 23

Ihren 100. Geburtstag am 4. April 2026 hat Irmgard Rothenbacher im Kreis von 15 Gästen, die weitläufig mit ihr verwandt sind, gefeiert. Mit Schwarzwälder Kirschtorte, Geburtstagsliedern und dem Psalm 23 auf Deutsch und auf Englisch: Der Herr ist mein Hirte, the lord is my shepard. Die englische Sprache ist ihr wichtig, auch weil ihr Bruder seinerzeit in die USA auswanderte und dort noch Neffen von ihr leben. Jeden Montag kommt eine Englischlehrerin ins Pflegeheim, um mit ihr englische Texte zu lesen. „Das macht mir sehr viel Spaß“, sagt die Seniorin, die trotz ihres hohen Alters noch immer viel liest. Thomas Manns „Zauberberg“ ist eines ihrer Lieblingsbücher, von den englischen Autoren mag sie besonders Jane Austen und David Copperfield. „Zum Glück funktioniert mein linkes Auge noch so gut.“ Bei einem schweren Autounfall hat sie 1990 ihr rechtes Auge eingebüßt.

Das Abendsingen schätzt die Seniorin besonders

Ihren Lebensmut hat sie trotzdem nicht verloren, auch nicht, als sie vor einem Jahr stürzte. Seither sitzt Irmgard Rothenbacher im Rollstuhl. Zweimal pro Woche kommt eine Physiotherapeutin und übt mit ihr das Gehen mit dem Rollator. Darüber hinaus nimmt die Jubilarin regelmäßig an der wöchentlichen Rollstuhlgymnastik teil, am Damenkränzchen und an den Andachten im Pflegeheim. Besonders freut sie sich auf das Abendsingen jeden Montagabend, wenn ehrenamtliche Sängerinnen den Bewohnerinnen und Bewohnern in ihren Zimmern Volkslieder vorsingen. Gabriele Blum-Eisenhardt schätzt die 100-Jährige als „zufriedene, sehr dankbare und vielseitig interessierte Person“. „Durch Frau Rothenbacher lernen wir immer wieder neue Lieder kennen“, erzählt die Abendsängerin. Viele Texte kennt Irmgard Rothenbacher noch aus der Zeit, als sie im Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Deggingen tätig war. Sie habe mit den Berliner Ferienkindern, die das ganze Jahr über zur Kur auf die Nordalb kamen, viel gesungen, erzählt die Seniorin.

Ihr Beruf war Irmgard Rothenbachers Berufung

Aufgewachsen ist Irmgard Rothenbacher in Blaubeuren, nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei den Großeltern. Dort hat sie im Zweiten Weltkrieg  Hunger und Armut erfahren. „Ohne unseren Onkel auf der Alb, der Bäcker war, hätten wir oft nichts zu essen gehabt, weil es nichts gab“, erinnert sie sich. Während ihr Bruder mit einem Flüchtlingsschiff gen Amerika aufbrach, blieben sie und ihre Schwester in Deutschland. Ihre Ausbildung zur Säuglings- und Kinderkrankenschwester, wie es damals hieß, absolvierte Irmgard Rothenbacher in der Kinderklinik in Tübingen. Anschließend wechselte sie in die Heilbronner Kinderklinik und von dort nach zwölfjähriger Tätigkeit zum AWO-Heim, das sie von 1966 bis zur Pensionierung leitete. „Es war meine Berufung“, sagt Irmgard Rothenbacher rückblickend. „Meine Arbeit war vielseitig und anspruchsvoll. Sie hat mich immer ausgefüllt.“