Über 10.500 Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung starben 1940 im zur Tötungseinrichtung umfunktionierten Samariterstift Grafeneck bei Gomadingen auf der Schwäbischen Alb. Mit dem interaktiven Straßentheater „Hierbleiben – Spuren nach Grafeneck“ erinnern Schauspielerinnen und Schauspieler mit geistiger und körperlicher Behinderung an die systematischen Ermordungen in Grafeneck während des Nationalsozialismus. Das inklusive Ensemble des Theaters Reutlingen Die Tonne zeigt szenisch und anhand von Biografien Betroffener die Hintergründe und Fakten. Zum Ensemble des Theaters Die Tonne gehören unter anderem Beschäftigte der Werkstätten der BruderhausDiakonie in Reutlingen. Am 27. Juli spielt das inklusive Ensemble um 11 Uhr vor dem Schloss in Gomadingen-Grafeneck. Die Vorstellung dauert etwa eine Stunde und 45 Minuten. Der Eintritt ist frei.

Interaktives Theater schafft Bewusstsein und Respekt für Menschen mit Behinderung

Die Theatergruppe tritt auf öffentlichen Plätzen oder Straßen auf. „Wir wollen mitten im öffentlichen Raum präsent sein und die Zuschauer miteinbeziehen“, erklärt Enrico Urbanek, Intendant des Theaters Reutlingen Die Tonne. An jedem Spielort werden zwei bis drei Porträts von Opfern des NS-Regimes aus der jeweiligen Stadt oder Gemeinde in das Stück integriert. Das Straßentheater verbindet Schauspiel mit Tanz-Choreografie, Musik, bildender Kunst, Medienkunst, Interaktion und dokumentarischen Elementen. Die direkte Begegnung mit geistig und körperlich beeinträchtigten Darstellern soll die Akzeptanz und den Umgang mit Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft verbessern. Das Straßentheater wurde produziert vom Verein Theater in der Tonne e. V. Reutlingen in Kooperation mit den Werkstätten der BruderhausDiakonie, den Offenen Hilfen in Reutlingen (BAFF – Bildung, Aktion, Freizeit, Feste), der Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen und der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Künstlerische Arbeitsplätze für Klientinnen und Klienten der BruderhausDiakonie

Seit mehr als 15 Jahren erfahren Beschäftigte der Werkstätten der BruderhausDiakonie eine besondere Form der Theaterarbeit. An zwei Tagen in der Woche verbringen sie ihren Arbeitstag im Theater Reutlingen Die Tonne. Sie werden in den Grundlagen des Schauspiels geschult und entsprechend ihrer Begabungen in verschiedenen Bereichen der Theaterarbeit gefördert. Dazu gehören Bewegungstraining, Stimmbildung, Schauspielunterricht, Textarbeit, Musik, Gesang, Rhythmus und künstlerische Gestaltung. Unter der Leitung des Intendanten und Regisseurs Enrico Urbanek gestaltet das Ensemble regelmäßig eigene Produktionen.

Weitere Informationen zum Theaterstück „Hierbleiben – Spuren nach Grafeneck“ finden Sie im Flyer oder unter www. https://spuren-nach-grafeneck.de/