"Menschen mit einer psychischen Erkrankung im Zollernalbkreis können sich seit einem Vierteljahrhundert auf die Arbeit der BruderhausDiakonie verlassen", sagte Hechingens Bürgermeister Phillipp Hahn am 15. September 2022 auf einer Tagung der BruderhausDiakonie im Bildungshaus St. Luzen in Hechingen. Kreissozialdezernent Georg Link verwies auf das in dieser Zeit errreichte "hohe Niveau der Angebote" für Menschen mit psychischer Erkrankung im Zollernalbkreis. Die Tagung "Psychiatrisches Arbeiten in sich verändernden Kontexten. Wohin soll die Reise gehen" bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe zum 25-jährigen Bestehen sozialpsychiatrischer Angebote der BruderhausDiakonie im Zollernalbkreis. 

Aktuelle Herausforderungen und Veränderungen meistern

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung, Fachleute aus der Region und weit darüber hinaus, blickten aber nicht zurück auf das bereits Geleistete: ein tragfähiges Netz von Hilfen mit Tagesstätten, Wohn- und Betreuungsangeboten unterschiedlichster Art. Sie diskutierten vielmehr die aktuellen Herausforderungen und notwendigen Veränderungen in der Arbeit für Menschen mit psychischer Erkrankung. Walter Riedel, Leitung Region Freudenstadt, Tübingen, Zollernalb, und Michael Mennel, Fachbereichsleitung Sozialpsychiatrie der Region, benannten einige der Faktoren, die auf die Arbeit mit psychisch Erkrankten einwirken: die Folgen der Pandemie beispielsweise, die Digitalisierung der Lebenswelt, eine zerbrechlicher werdende Gesellschaft, die Zunahme psychischer Erkrankungen - aber auch die Veränderungen und Chancen, die das neue Bundesteilhabegesetz mit sich bringt. Dieses Gesetz stärkt die Rechte von Menschen mit psychischer Erkrankung und richtet die Hilfen an deren tatsächlichem Bedarf und ihren Wünschen aus. 

Zusammenarbeit verschiedener Träger und Einrichtungen notwendig 

Rainer Höflacher vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrener referierte aus Sicht eines Betroffenen darüber, welche Haltung und welches Handeln professioneller Helfer, also von pädagogischem, therapeutischem und medizinischem Personal, für das Bewältigen einer psychischen Erkrankung hilfreich ist - und darüber, wie psychiatrieerfahrene Menschen in diesem Prozess mitwirken können. Dass die Anbieter von Hilfen für Erkrankte künftig noch mehr zusammenarbeiten müsssen, als sie es sowieso schon tun, das betonten in ihren Vorträgen Matthias Rosemann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde, und Jonas Kabsch, Geschäftsfeldleiter Sozialpsychiatrie. Den Zugang zu psychiatrischer Hilfe einfacher zu machen und noch enger mit Suchthilfe, Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe und gegebenfalls Straffälligenhilfe zu kooperieren sei das Gebot der Stunde - um Erkrankten exakt die Hilfe bieten zu können, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchen. Dass das nicht ohne ein stabiles Haltungs- und Wertegerüst geht, zeigte der Villinger Dekan Wolfgang Rüter-Ebel in seinem Referat "Mit welchem Menschenbild sind wir unterwegs?". 

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Vortrag Matthias Rosemann, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde:
Welche Fachlichkeit benötigen wir? Herausforderungen, Ziele, Antworten