In der psychiatrischen Szene der Region und weit darüber hinaus wüssten fast alle mit dem Namen Andrea Krainhöfer etwas anzufangen. Das sagte Professor Gerhard Längle, als er am 21. Oktober die Verabschiedungsfeier für Krainhöfer eröffnete. Corona-bedingt konnte nur ein kleiner Gästekreis die seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Reutlingen tätige Sozialpsychiatrie-Expertin in den Ruhestand verabschieden – darunter Rainer Kluza und Gerhard Längle, die beiden Geschäftsführer der Gemeindepsychiatrischen Hilfen Reutlingen (GP.rt). Seit Gründung dieser gemeinsamen Tochtergesellschaft der BruderhausDiakonie und der Südwürttembergischen Zentren für Psychiatrie im Jahr 2018 war Andrea Krainhöfer deren Fachliche Leiterin. Davor leitete sie die Sozialpsychiatrischen ­Hilfen Reutlingen der BruderhausDiakonie, die in der Neugründung aufgingen, sowie die Unterstützungsangebote der BruderhausDiakonie im Zollernalbkreis.

Nie die Bodenhaftung verloren

Ab 1995 hatte die Diplompsychologin und gelernte Krankenschwester die Gemeindepsychiatrie in Reutlingen wesentlich mitgeprägt, erläuterte GP.rt-Geschäftsführer und Krainhöfers langjähriger Weggefährte Rainer Kluza in seiner Festrede. Vieles, was den fachlich innovativen Ruf der Gemeindepsychiatrie in der Region begründete, sei ohne Krainhöfers tatkräftigen Einsatz nicht denkbar: der Ambulante Psychiatrische Pflegedienst etwa oder das Projekt ProSeLe, das bewiesen hat, dass auch langzeitkranke Personen selbstständig leben können. Oder auch die Entstehung der sogenannten Psychoseminare für psychisch Erkrankte, ihre Angehörigen und psychiatrisch Tätige. Krainhöfer sei immer eine wichtige Ansprechpartnerin für Selbsthilfegruppen von Psychiatrie-Erfahrenen gewesen – und nie habe sie den direkten Kontakt zu Klienten und ihre Bodenhaftung verloren. Achtsamkeit, Offenheit, eine hohe persönliche Glaubwürdigkeit und eine „extrem hohe Verlässlichkeit“ zählten zu ihren herausragenden persönlichen Eigenschaften: „Was immer sie übernommen hat, hat sie zu einem guten Ende geführt“, lobte Kluza.

Nachfolger in der fachlichen Leitung ist Torsten Hau

In teils launigen, teils sehr persönlich gehaltenen Beiträgen würdigten Kolleginnen und Kollegen sowie Partner aus der Diakonie, den Zentren für Psychiatrie und der Selbsthilfeszene die scheidende Fachliche Leiterin der GP.rt – verbunden mit der Empfehlung, sich im Ruhestand nicht allzu viele Ehrenämter antragen zu lassen.

Nachfolger von Andrea Krainhöfer ist Torsten Hau, zuvor unter anderem langjähriger Vorstand des Freundeskreises Mensch in Gomaringen.