drucken

Die Nachrichten im Detail

Neueröffnung

Zugang zur medizinischen Versorgung verbessert

Das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) in Reutlingen fördert die Gesundheit schwerstbehinderter Menschen.

Ärztin van Soest führt durch das MZEB.

Spezialisiertes Zentrum

Am 25. Januar hat die BruderhausDiakonie das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) in Reutlingen feierlich eröffnet. Dieses MZEB ist eine von bisher vier zugelassenen baden-württembergischen Einrichtungen, die sich auf die medizinische Versorgung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen spezialisiert haben.

Bisherige Versorgungslücke geschlossen

Das MZEB schließt eine bisher bestehende Versorgungslücke. Denn Erwachsene mit einer schweren geistigen oder mehrfachen Behinderung waren bisher gesundheitlich oft unterversorgt: Die wenigsten Arztpraxen sind barrierefrei eingerichtet und verfügen über spezialisiertes Personal, um Patienten mit starken Bewegungseinschränkungen oder großer Unruhe angemessen zu behandeln, die zudem oft nicht sprechen können und häufig ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigen. „Es ist unser Ziel, Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung dann eine ihren Bedürfnissen entsprechende medizinische Versorgung anzubieten, wenn die Versorgung durch das Regelsystem nicht ausreicht“, erläuterte Dr. Gerold Renner, Facharzt für Psychiatrie und Leitender Arzt der BruderhausDiakonie. „Wir sind stolz darauf, dass wir zu den Ersten gehören, die für ihr MZEB eine Kassenzulassung erhalten haben“, ergänzte Günter Braun, Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie. Das MZEB schaffe die Grundlage für eine Teilhabe auch an der gesundheitlichen Versorgung. Der Reutlinger Behindertenbeauftragte Michael Embery unterstrich die Bedeutung des MZEB für die Inklusion behinderter Menschen.

Alle Räume sind barrierefrei und bieten ausreichend Platz

Das MZEB in der Oberlinstraße 16 hat großzügige, helle, barrierefreie Räume, wie Ministerialdirigentin Christine Engelhardt vom Sozialministerium feststellte. Die ebenerdigen Untersuchungs- und Behandlungsräume liegen unmittelbar nebeneinander. Das MZEB verfügt zudem über eine hauseigene Ergotherapiepraxis und eine Physiotherapiepraxis im gleichen Gebäude. Zwar sei die ambulante ärztliche Versorgung in Baden-Württemberg sehr gut, betonte Ministerialdirigentin Engelhardt. „Dennoch benötigen Menschen mit Behinderung ergänzend diese spezielle diagnostische und therapeutische Kompetenz.“

Medizinisches Personal verschiedener Fachrichtungen

Im Team des MZEB Reutlingen arbeiten eine Fachärztin für Allgemeinmedizin und Behindertenmedizin sowie jeweils in Teilzeit zwei Fachärzte für Psychiatrie, vier Psychologinnen und Psychotherapeutinnen, vier Medizinische Fachangestellte, eine Krankenschwester und eine Ergotherapeutin sowie in regelmäßigen Abständen eine Logopädin und ein Physiotherapeut. Bei Bedarf kommt eine Sozialarbeiterin hinzu.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind erfahren in der Behindertenhilfe und -medizin und geübt in unterstützter Kommunikation und leichter Sprache. „Therapieempfehlungen erarbeiten wir in multidisziplinären Fallbesprechungen“, betonte Bauda Aletta van Soest, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Behindertenmedizin. Denn in der Diagnostik und Behandlung von Menschen mit schwerer Behinderung gebe es Fragestellungen, die ein einzelner Arzt nicht lösen könne. Dass Gesundheit und Krankheit nicht nur eine körperliche Dimension haben, gab am Ende der Eröffnungsfeier der Facharzt für Psychiatrie und Diplom-Theologe Dr. Stefan Haug zu bedenken.

Umfassendes medizinisches Angebot

Um die Patienten umfassend versorgen zu können, arbeitet das MZEB eng mit Fachärzten, Fachkliniken und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen zusammen. Voraussetzung, um die diagnostischen, therapeutischen und präventiven Angebote des MZEB in Anspruch nehmen zu können, ist das vollendete 18. Lebensjahr sowie ein Behinderungsgrad von über 70 mit einem sogenannten Merkzeichen wie „hilflos“, „außergewöhnliche Einschränkung der Bewegungsfähigkeit“ oder ähnlichem. Zudem braucht es eine Überweisung vom Haus- oder Facharzt.

Das MZEB übernimmt unter anderem die Abklärung unklarer Symptome oder Verhaltensänderungen, diagnosespezifische Vorsorgeprogramme, psychologische Testungen und Beratungen, die Verschreibung notwendiger Heil- und Hilfsmittel sowie genetische Beratung. Bei schwierigen medizinischen Fragestellungen vermittelt es eine ärztliche Zweitmeinung.

Darüber hinaus unterstützt das MZEB-Team beim Erschließen von Pflege- und Behandlungsleistungen. Es schult und berät Pflegende und Assistenz-Teams, berät bei Suchterkrankungen und in rechtlichen und ethischen Fragen. In besonderen Problemlagen macht es auch Hausbesuche.

Angehörige und Betreuer von Patienten mit einer schweren Behinderung können dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und zusätzlich am Montag- und Dienstagnachmittag von 13.30 bis 16.30 Uhr einen Termin vereinbaren unter der Telefonnummer 07121 278-1400.

« zurück zur Übersicht

Nachrichten

Auch Reutlingens zukünftiger OB Thomas Keck ist dabei

Politiker aus Kreistag, Gemeinderat und Landtag sowie Bürgermeister engagierten sich am...

mehr »

Das Wandern mit dem Lernen verbinden

Auf den Spuren von Gustav Werner wanderten Schüler, Vertreter der BruderhausDiakonie sowie der...

mehr »

Das Quartierszentrum Bezner machte neugierig

Zahlreiche Besucher kamen ins neue Mühlenviertel nach Ravensburg und ließen sich von den Angeboten...

mehr »

Schülerinnen und Schüler engagieren sich für Demokratie

Jugendliche haben sich in Göppingen zu Vielfaltcoaches ausbilden lassen und setzen sich an ihren...

mehr »

Neue Kita bietet Platz für 45 Kinder

Die BruderhausDiakonie betreibt in Stuttgart-Schönberg eine dreigruppige Kindertagesstätte....

mehr »

Agilität und Stabilität sind kein Widerspruch

Als Führungskraft stetig agil reagieren und bei Herausforderungen stabil bleiben, dafür bot die...

mehr »