Beruf und Familie zu vereinbaren ist für viele Frauen ein Kraftakt mit vielen Hürden und offenen Fragen. Wie kann der Einstieg ins Berufsleben erfolgen? Wer soll die Kinder tagsüber betreuen? Wie kann eine Frau wieder im Job Fuß fassen, wenn sie mehrere Jahre lang nicht mehr berufstätig war? Wie ist eine Ausbildung in Teilzeit möglich? Wo bekomme ich Unterstützung beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen? Im Projekt "Trio – Mutter, Kind, Beruf" des Ausbildungsverbunds der BruderhausDiakonie erarbeiten sich Frauen, die in den Beruf einsteigen, zurückkehren oder eine Ausbildung machen wollen, eine berufliche Perspektive. Drei Beraterinnen sowie eine Projektkoordinatorin unterstützen sie dabei. Das Angebot richtet sich an Frauen aus den Landkreisen Tübingen und Reutlingen mit minderjährigen Kindern. „Unsere Teilnehmerinnen werden nicht vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit zugewiesen, das Angebot ist freiwillig“, erklärt Stephanie Ivaschuk, die für den Landkreis Tübingen zuständig ist. Trio wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ESF Baden-Württemberg/React EU gefördert.

Seit Projektbeginn im September 2021 hat das Team acht Frauen im Kreis Reutlingen und sieben im Kreis Tübingen betreut. Die Altersspanne der Teilnehmerinnen reicht von 21 bis 47 Jahren. „Das Projekt ist gut angelaufen. Nach wenigen Monaten haben bereits mehrere Teilnehmerinnen eine neue Arbeitsstelle oder einen Ausbildungsplatz", berichtet Projektkoordinatorin Lea Putzler. Die Voraussetzungen der Frauen sind sehr unterschiedlich. „Manche von ihnen haben keinen Berufsabschluss, andere haben ein Bachelorstudium absolviert, einige sind alleinerziehend, andere leben mit ihrem Partner zusammen", so Lea Putzler. Die Beratung findet in Reutlingen in der Tübinger Straße 89 und in Tübingen in der Marienburger Straße 12 statt.

Berufsberatung, Bewerbungstraining und Unterstützung bei der Organisation des Alltags

In einem Erstgespräch besprechen die Beraterinnen mit den Teilnehmerinnen deren Fachkenntnisse und berufliche Ziele und ob es eher in Richtung Praktikum, Aus- und Weiterbildung oder einer neuen Arbeitsstelle gehen soll. Neben den Einzelberatungen bietet Trio auch Gruppenangebote zu digitalen Themen an – natürlich unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Regeln. „Die Frauen müssen schließlich wissen, wie sie sich über Online-Portale bewerben oder an Videokonferenzen teilnehmen“, sagt Stephanie Ivaschuk.

Im Projekt „Trio“ geht es nicht nur um Bewerbungstrainings und den Einstieg sowie Wiedereinstieg in das Berufsleben. Die Beraterinnen helfen auch bei der Organisation des Alltags beispielsweise bei der Suche nach einer Kinderbetreuung, beim Erstellen von Anträgen, bei der Kontaktaufnahme mit Behörden und Ämtern oder weiteren Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen. „Wir ermutigen aber auch die Frauen, die in ihrem Alltag vielfache Belastungen bewältigen müssen, sich mal Zeit für sich zu nehmen“, sagt Stephanie Ivaschuk.

Gegenseitiger Austausch und Unterstützung der Teilnehmerinnen

„Wichtig ist uns, dass sich die Frauen untereinander austauschen und sich gegenseitig unterstützen können“, betont Stephanie Ivaschuk. Neben den üblichen Kommunikationswegen können die Teilnehmerinnen über eine Cloud untereinander Kontakt halten oder auf schnellem Weg die Beraterinnen anschreiben, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Für manche Teilnehmerinnen eignet sich das Projekt-Angebot, sich in Einrichtungen des Ausbildungsverbunds wie den Holz- und Metallwerkstätten auszuprobieren. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Praktikum in einer Einrichtung der BruderhausDiakonie zu machen. So können die Teilnehmerinnen in einem „geschützten" Raum“ wieder erste Schritte ins Berufsleben wagen. „Dass Mütter sich in kurzen Zeitfenstern effizient zu organisieren wissen, macht sie durchaus attraktiv für Arbeitgeber“, hebt Stephanie Ivaschuk hervor.

Weitere Informationen zum Projekt „Trio – Mutter, Kind, Beruf“ erhalten Sie hier.